Donnerstag, 17. Juli 2014

orthographisch einerlei




Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
Ich laß sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Sofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

                                                                    Christian Morgenstern

(Ob man sie nun mit einem oder mit zwei m schreibt, dürfte dieser Möwe im Stralsunder Hafen ziemlich egal sein...)

Kommentare:

  1. Das Gedicht von Morgenstern ist wunderschön. Man kann es immer
    wieder lesen. Passend zu dem wirklich tollen Foto.
    LG Irmi

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  2. Oh, das Gedicht habe ich schon ewig nicht mehr gelesen....schön.
    LG Smilla

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  3. Schönes Gedicht allerdings muss ich mal was fragen....was sind denn Zibeben?

    Lg

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    1. "Zibeben" ist ein süddeutsches Wort für Rosinen. Allerdings ist es, wie so viele schöne alte Wörter, auch hier fast ganz verschwunden. Meine Oma hat immer "Zibeben" in den Gugelhupf getan, daher kannte ich den Ausdruck. Ich hab mich eben bei Wikipedia schlau gemacht und gelesen, dass das Wort aus dem Arabischen kommt, doer heißen die getrockneten Weinbeeren "zabiba".
      Schön, dass du nachgefragt hast!

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  4. Liebe Brigitte,
    nur die erste Strophe des Gedichtes war mir bekannt.
    Wie schön, dass du dieses Versäumnis nun ausgemerzt hast.
    Bleibt die Frage: fressen Möwen tatsächlich Rosinen? Ich habe Zweifel. Tauben z. B. tun das nicht...

    Wie dem auch sei: genießen wir die lauen, hochsommerlichen Nächte in vollen Zügen. Sie sind viel zu selten.
    Claudiagruß vom heimlich- versteckten Platz auf dem Balkon.

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    1. Hast du nicht deine Amseln auch mit "Zibeben" gefüttert??

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