Sonntag, 10. April 2016

Sonntagsfreuden: Zirkus!








Fast vorbei ist er schon, der Sonntag, aber über diese Freude konnte ich nicht früher berichten, denn es war eine Sonntagabendfreude - und was für eine!
Zur Zeit gastiert der Zirkus Roncalli in unserer Stadt. Da weder Mann noch Sohn große Zirkusfans sind, wäre ich wohl nicht alleine hingegangen (ich gehe gerne in den Zirkus, aber am liebsten mit Kindern dabei).
Nun arbeite ich seit einiger Zeit ehrenamtlich bei einer Gruppe des Freundeskreises Asyl mit. Wir betreuen an zwei Nachmittagen in der Woche Kinder aus irakischen Flüchtlingsfamilien und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Vor zwei Tagen rief mich eine Mitbetreuerin an und fragte, ob ich am Sonntag Abend Zeit hätte, mit in den Zirkus zu gehen. Sie hatte Freikarten für die ganze Gruppe bekommen und trommelte nun einige HelferInnen zusammen.
So marschierten wir also heute um fünf mit einer buntgemischten Gruppe aus fünfundzwanzig größeren und kleineren Kindern und ein paar Vätern los Richtung Zirkus, immerhin drei Kilometer quer durch die Stadt. Und es war für alle ein Riesenerlebnis, auch für uns Einheimische, denn keiner von uns war je im Roncalli gewesen. Es gibt vielleicht Zirkusse mit einer größeren Dichte an atemberaubenden Sensationen, gefährlichen Drahtseil- oder Trapezakten oder exotischen Tieren (von denen gab es hier dankenswerterweise gar keine). Aber ich kenne keinen mit so viel freundlicher Wärme, fantasievoller Inszenierung, mit so viel Humor und Poesie. Man durfte natürlich nicht fotografieren, darum beschreibe ich euch den allerersten Anfang des Programms: leise Musik, gedämpftes bläuliches Licht und wabernder Bühnennebel - und dann kommt im leichten Galopp ein wunderschöner Schimmel herein, ganz allein, ohne jedes Zaumzeug, und bewegt sich auf anmutigste Art frei durch die Manege. Es war traumhaft schön. Statt Elefanten und Tigern sah man Pferdedressur und eine muntere Hundetruppe. Und mein ganz persönlicher Lieblingsact war ein dünner, schüchterner, storchenbeiniger junger Mann mit strubbeligen Stehhaaren, der Blockflöte spielte und im Laufe der Zeit immer mehr davon aus seinen Hosentaschen zog und an Mund und Nasenlöchern ansetzte, bis er schließlich fünfstimmig Mozarts Kleine Nachtmusik spielte... unglaublich virtuos und dabei hinreißend komisch!
Ach, es war toll! Und danach sind wir dann wieder nach Hause gelaufen, und selbst die Kleinsten marschierten müde, aber glücklich, klaglos eine dreiviertel Stunde zurück.


"Können wir nicht morgen gleich noch mal in den Zirkus gehen?" (Suham, 14)

Verlinkt mit den Sonntagsfreuden auf Ritas Blog "Mit Herz und Hand"

Kommentare:

  1. Herzerwärmend, so toll, dass ihr das machen konntet mit den Kindern... Lieben Gruß Ghislana

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  2. Die Kinder haben bestimmt ihren Spaß gehabt - wie schön! Ich finde solche Initiativen gerade bei Traumasierten Kindern so toll. Als Kind mochte ich den Zirkus auch sehr gerne, habe mich bei den Clowns kaputt gelacht. Wenn mein Kleiner Sohn interesse zeigt, würde ich auch wiedermal hingehen.
    Liebe Grüße
    Papatya

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  3. Schön, dass Ihr für die Kinder Freikarten bekommen habt. Zirkus ist doch immer ein ganz besonderes Erlebnis.
    Lieben Gruß
    Katala

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  4. Das macht mir auch gerade Gänsehaut.
    Danke für deine schönen Gedanken - Fotos .
    Liebe Grüße,
    Angela

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  5. Das war wunderschön, danke fürs erzählen.
    Kannst Du Dir vorstellen, dass Robert nicht gern in den Zirkus geht? Er kann da fast nichts "aushalten", dann fängt er zu schimpfen an, meckert. Ich selber war jahrelang mit meiner Grossen im Zirkus, sie hat ihn geliebt.
    Es ist so toll, was Du da gibst. Deine Zeit für andere ....
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  6. Sehr schön beschrieben, diese zauberhafte Zirkuswelt!
    Ich kann mir gut vorstellen, wie gut dieser Abend den Kindern,
    die schon so viel Schlimmes erleben mußten, getan hat.
    Liebe Grüße
    Edith

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  7. ... ich hatte Gänsehaut beim lesen deines Berichtes, denn ich weiß was man Kindern damit für eine Freude machden kann, denn es sind Kinder die sicher schon weniger schöne Erlebnisse hatten. Ich bin z.Z. nur 1X in der Woche in einer Nähstube für Flüchtlinge. Es sind Kontigentflüchtlinge die hier in einer ehemaligen amerikanischen Siedlung wohnen. Wir leiten sie an, sich verschiedene Dinge für ihre Wohnung oder für sich selbst zu nähen------ Hilfe zur Selbshilfe soll es sein/werden. :-)
    Wir haben auch schon die Gastfreundschaft der Familien erleben dürfen, denn wir wurden schon zu sehr leckerem Abendessen eingeladen.
    Kleine zarte Annäherungen ergeben sich durch unser wöchentliches Zusammensein.
    LG Ute

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  8. Für die Kinder war das gewiß wie das Betreten einer anderen Welt, in die sie eintauchen durften. Das werden sie so schnell nicht vergessen - wenn überhaupt. Schön, dass du solche Dinge mit möglich machst.

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