Donnerstag, 12. Mai 2016

Rosmarin





Sie passt ja eigentlich nicht direkt zu Pfingsten, dem "lieblichen Fest", diese Pflanze - obwohl, lieblich sind sie auf ihre Art auch, die zarten blassblauen Rosmarinblüten. Ihr traditioneller Symbolgehalt ordnet sie allerdings eher anderen Tagen zu: Gedenktagen, Erinnerungstagen, auch Todestagen. In manchen  Volksliedern zeigt der Rosmarin den Tod des Geliebten an ("Ich hab die Nacht geträumet..." oder "Es wollt die Jungfrau früh aufstehn..."). 
Aber der Rosmarinstrauch vor meiner Haustür, dessen kleine Blüten man erst bei näherem Hinsehen entdeckt, hat bei aller stillen Ernsthaftigkeit auch eine feine  filigrane Leichtigkeit an sich. Und ich liebe nicht nur seine aparten Farben, dieses blasse Lilablau zu den dunkelgrünen Nadeln und dem graubraunen Holz, sondern auch sein kräftig-würziges Aroma, das außer zu Kartoffeln oder Lammfleisch auch prima zu Käse, Eiergerichten und vielem anderen passt.


Erstaunlicherweise kann man mit Rosmarin auch Süßes würzen, Kekse zum Beispiel (vielleicht ist das für manche gar nichts Neues, ich wusste es bisher noch nicht). Das Rezept habe ich irgendwo gelesen und finde es jetzt nicht mehr, macht aber nichts: es ist ein ganz gewöhnlicher mürber Plätzchenteig mit Zucker und etwas Salz und mit viel kleingeschnittenem frischem Rosmarin. Ich hatte auf ca. 250 g Mehl zwei Teelöffel voll drin, und es hätte für meinen Geschmack ruhig noch mehr sein können. Weil ich das Ganze etwas salziger haben wollte, hab ich noch ein bisschen fleur de sel obendrauf gestreut. Ich mag diese Gleichzeitigkeit von süß und salzig sehr gerne (Schokolade mit Salzkristallen - hmmm!). Die Kekse waren (nicht nur von mir!) ratzfatz aufgegessen, so lecker waren sie. Das nächste Mal werde ich sie aber weniger süß und mehr salzig machen - das stelle ich mir zu einem Glas Wein sehr passend vor.



Den Rosmarin lasse ich über meine Gartenmauern wachsen,
nicht nur, weil meine Bienen ihn lieben, sondern auch,
weil er das der Freundschaft und Erinnerung geweihte Gartenkraut ist.
Schon ein Zweiglein von ihm spricht eine stumme Sprache. 

Sir Thomas Moore 

Kommentare:

  1. In meinem Kräutereck haben der Tymian, die Pfefferminze, Salbei, Schnittlauch und der Rosmarin überlebt und sich richtiggehend breit darin gemacht. Plätzchen habe ich damit noch nie gewürzt. Werde ich bei Gelegenheit ausprobieren. Die Blüten des Rosmarins habe ich gestern erst daran entdeckt. Nur die Petersilie muß noch einmal dort neu ausgesät werden. Liebe Grüße.

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    1. Ja, das sind auch meine "Leib- und Magenkräuter", die ich sehr gern habe.
      Übrigens: Du weißt, dass Petersilie nicht zweimal am gleichen Platz stehen will?
      Viel Erfolg damit!

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  2. Ich kenne den Rosmarin überhaupt nur zu gedünstetem Gemüse oder Fleisch. Lavendelplätzhen habe ich gekostet, aber keine mit Rosmarin und Salz. Und doch sind die wunderbarsten Erinnerungen an Rosmarin und Lavendel (und dazu laden allein Deine Rosmarinfotos ein) die aus dem Garten meiner Schwester, die im Süden Frankreichs lebt und einen kleinen Hang voller Rosmarin und Lavendel hat, weil nichts anderes die Hitze so gut aushält. Eines Morgens kam ich auf die Terrasse dort und in der warmen Morgenluft kam mir erst der Duft von Rosmarin und ein paar Schritte später der vom Lavendel entgegen. Ich war wie "in einer anderen Welt", der Blick, der Duft und die Wärme.....!
    Manches löst eine ganze Welle von Empfindungen aus :-). Danke für den Anstoss dazu.

    Herzliche Grüße
    Beate

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    1. Da hat es euch Schwestern ja in ganz entgegengesetzte Richtungen gezogen: einmal hoher Norden, einmal tiefer Süden! Klasse, wenn man so ab und zu besuchsweise das Kontrastprogramm genießen kann! :-)

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  3. Rosmarinsalbe für kalte Füße.
    Rosmarinbademilch für ein weckendes Bad.
    Wunderduft!

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    1. Ja, Rosmarinduft versetzt mich immer ein bisschen ins Schaumbad meiner Kindheit (wir hatten da eine Riesenflasche stehen)...!

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  4. Ich mag den Geschmack von Rosmarin nicht besonders, aber die Pflanze gefällt mir trotzdem sehr gut. Weil hier kühles Regenwetter herrscht, wohnen meine Kräuterpflänzchen immer noch auf dem Küchenfensterbrett und noch nicht auf dem Balkon. Liebe Grüße und schöne Pfingsttage, Christine

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    1. Rosmarin ist auch einfach zum Anschauen schön, das stimmt. Als Gewürz habe ich ihn erst recht spät entdeckt, früher war das für mich eher Schaumbadduft (s.o.). :-)

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  5. Liebe Brigitte,
    diese Symbolik des Rosmarins war mir gar nicht bekannt und ich staune. Gedenk- und Todestage?
    Auf meinem Balkon wächst eine kriechende Art. Es ist schön, wenn die Zweige über den Rand der Terrakottatöpfe wachsen.
    Viele Kräuter mag ich gern berühren und ihr frisch- würziger Duft bedeutet mir mehr Genuss, als sie für Speisen zu verwenden. So ist es insbesondere beim Rosmarin, der Apfelminze und dem Basilikum. Nie dürfen diese 3 in den Töpfen fehlen.
    Wie schön, dass du dem Link zu Frau Heidenreich gefolgt bist. Ich dachte mir, dass dir der "Vogel" gefällt.
    Du hast ja auch eine Affinität zu beidem: der Musik und den Amseln ;o)
    Claudiagruß
    ... vom Balkon, unter den prüfend- wachen Blicken der brütenden Amselmama...

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