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Donnerstag, 6. September 2018

Anno-dazumal-Chic

In einem Schrank auf dem Dachboden bewahre ich noch einiges an alten Schätzen auf, das sich im Laufe der Jahrzehnte aus den Hinterlassenschaften meiner Vorfahrinnen angesammelt hat. Im Jahr nach unserem Einzug habe ich irgendwann mal einen Nachmittag damit verbracht, die Säcke mit Textilien verschiedenster Art und Qualität grob durchzusehen und Lumpiges, Vergilbtes oder sonstwie Unbrauchbares auszusortieren. Der Rest - z.B. Bett- und Tischwäsche, wie man sie früher als Aussteuer mit in die Ehe brachte - wanderte in Kartons und Schrankfächer. Von Zeit zu Zeit kruschtele ich ein bisschen darin herum, bewundere wunderbare alte, schwere Leinenstoffe, Bettücher mit sauberst gestopften kleinen Rissen oder Vorhangstoffe mit 50er-Jahre-Mustern und fördere dabei das ein oder andere interessante Stück zutage. Neulich fiel mir nun dieses goldige Kleidungsstück in die Hände:



Ein Blüschen aus einem einfachen weißen Baumwollstoff mit Ein-Knopf-Verschluss und wunderhübschen altmodischen Details:



Tagsüber kann das wohl kaum getragen worden sein, denn der eine Knopf ist ja doch ein bisschen wenig - obwohl, er sitzt genau an der richtigen Stelle... ;)
Ich habe es in den heißen Augustnächten als luftiges Oberteil zu meiner leichtesten Pyjamahose getragen und es war sehr angenehm.





Und noch ein Großmutter-Stück mit hohem Nostalgiefaktor fand sich im Wäscheschrank:
Dieses reizende - ja, was ist es eigentlich, Unterrock? Nachthemd? - jedenfalls habe ich mir die Mühe gemacht und es fotofein gebügelt, damit ihr es in all seiner liebevoll geschneiderten Pracht bewundern könnt. Die Schultern sind oben nicht zusammengenäht, sondern geknöpft, was mich vermuten lässt, dass es ein Unter- oder Nachthemd für eine stillende Mutter gewesen sein könnte - wer weiß...? 

(Hach, wie oft denke ich: dies oder das hätte ich jetzt gerne mal schnell meine Oma oder Mama gefragt!). 

Jetzt kommt mir allerdings der Gedanke, dass die beiden Teile wunderbar zusammenpassen, und ich stelle mir eine junge Mutter im Wochenbett vor, in einem heißen Sommer ähnlich wie diesem, die mit dem Blüschen überm Stillnachthemd im Bett liegt und so die Verwandten und Nachbarn empfängt... schön, gell?  :)



(Von diesem Teil gibts aber kein Tragefoto, das müsst ihr euch schon selber vorstellen...)  ;)

Sonntag, 28. Februar 2016

Der Februar ist immer so schnell vorbei...

...gerade noch "in time" hat sich heute das zweite UFO meines Neujahrs-Projektes in ein FO (oder VW, wie Pünktchen es vor kurzem nannte) verwandelt. Diesmal war es kein gestrickter "Schrankhüter", sondern mein erstes - und leider bis jetzt auch einziges - gewebtes Objekt. Ich sag jetzt mal lieber nicht, wie viele Jahre das arme Ding seiner Vollendung harren musste, es hat jedenfalls mehrere Umzüge mitgemacht...
An meinem damaligen Wohnort gab es eine Handweberin, die ab und zu einer Gruppe von Hobbyweberinnen bei ihren Arbeiten mit Rat und Tat zur Seite stand. Ich durfte ein paar Abende mitmachen und lernte, wie man eine Kette auf einen Tischwebrahmen aufspannt und mit dem Schiffchen webt. Nach etlichen Probeflecken habe ich schließlich ein größeres Stück mit Streifen und halbwegs geraden Kanten hinbekommen - nicht ohne Fehler, aber doch ganz brauchbar, wie ich fand. 


Es hatte gerade die richtige Größe für eine einfache Hirtentasche, innen nähte ich ein Stück Leinenstoff als Futter ein und außendrauf kamen zwei Holzknöpfe.


Und dann kam lange nichts mehr, denn um eine Tasche tragen zu können, braucht's einen Henkel, und den hat sie aus unerfindlichen Gründen nie bekommen... bis heute.


Ich habe lange überlegt, wie ich ohne allzu großen Aufwand eine Art Tragegurt machen könnte. Eine Kordel mit Quasten unten dran war mir doch etwas zu 70er-Jahre-mäßig, ein gewebtes Band wäre schön, aber nur mit höherem Zeitaufwand herzustellen gewesen. Vom damals verwendeten Kettgarn hatte ich noch fast eine ganze Kone voll (weil ich ja leider nie wieder gewebt habe), das wollte ich verwenden.


Schließlich kam ich auf die Idee, etwas von dem reichlich vorhandenen Konengarn durch die Strickmühle zu jagen und mehrere Meter Stricklieselschlauch zu fabrizieren. Weil das Ergebnis noch zu dehnbar und mir farblich auch zu hell war, nähte ich mit schwarzem Zickzackstich drüber. Dann legte ich zwei solche schmalen Bänder nebeneinander und zickzackte sie mittig zusammen. Das Ganze war total experimentell, mit hohem Lustfaktor und sehr niedrigem Perfektionsanspruch und völlig ergebnisoffen. Was am Ende herauskam, sah dann so aus:


Und genau so improvisiert und "gschlampert" gefällt es mir jetzt gerade komischerweise. Diese Methode scheint mir aber auch ausbaufähig zu sein, ich habe Lust herumzuprobieren, was sich damit alles anfangen lässt. Versuchsweise habe ich mehrere Strickschläuche zusammengenäht, es sieht interessant aus:



Ich denke, wenn man das Ganze ordentlicher und sorgfältiger macht, auch mal mit farblich nicht so kontrastierendem Nähfaden, sondern weniger sichtbar, oder mit verschiedenen Farben, könnte das ganz interessant werden.
Die Tasche ist jetzt endlich tragbar, die Knöpfe habe ich abgemacht, weil unnötig (und weil es mir das Anbringen von Schlaufen erspart hat). Und wenn ich die Stricklieselschlauchzickzack-Methode ein wenig perfektioniert habe, gibt's vielleicht auch noch einen schöneren Tragegurt...


(Sehr schlecht belichtete Bilder - es war schon Abend und ich konnte nicht bis morgen warten, denn da muss ja noch mein 12tel-Blick hier rein... immer diese deadlines...!)  ;-)