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Freitag, 12. April 2019

Was Grünes braucht der Mensch...

 ...in diesen frühjahrsmüden Zeiten.
Ich habe jedenfalls in den vergangenen Wochen meine mehr oder weniger starke, aber latent immer spürbare Schlappheit und Antriebslosigkeit andern gegenüber aufs Frühjahr geschoben - da fragt keiner groß weiter und jeder nickt verständnisvoll: "Ja ja, kenn ich auch...".
Weil ich gar so schwer in die Gänge komme in diesem Frühling, und weil es eigentlich den ganzen Winter über schon so war, denke ich aber doch, dass mein Körper (und  der ganze Rest...) gerade dabei sind, sich von so etwas wie einer leichten Winterdepression zu befreien. Früher lief ich ab März ständig in den Garten, um zu schauen, was schon aus der Erde spitzte, begann mit dem Vorziehen von Gemüsepflänzchen und schwelgte im Auswählen von Samentütchen. Dieses Jahr reizte mich das alles nicht besonders, mir fehlte einfach die Energie - und damit auch die Freude, die dazu gehört. (Ja, ich weiß, ich hab irgendwann im Februar mal was unter dem Titel "Vero-nikaa..." geschrieben - der Schwung ließ leider bald wieder nach...).
Schließlich konnte ich aber beim besten Willen nicht mehr übersehen, dass der Garten im Begriff ist, sich in einen Urwald zu verwandeln (jedenfalls der Teil, für den ich zuständig bin - mein Mann hat "seine" Beete schon wunderbar geharkt und mit Kompost versorgt). Also hockte ich gestern am Boden und jätete wie eine Wilde drauflos - und auch wenn mir das Kreuz wehtat, so war das doch die beste Medizin gegen den Winterblues und die Frühjahrsmüdigkeit. Vor allem, als ich sah, was es da schon alles an frischem Futter gibt - Grün, Grün und nochmal Grün, es sprießt aus allen Ecken:


 ...der Spinat, den ich im Herbst noch gesät hatte - fast völlig überwuchert von Jungfer im Grünen (die sich millionenfach selbst aussamt) und Scharbockskraut (das auch jedes Jahr versucht, den Garten zu übernehmen, aber nach einiger Zeit wieder von selbst verschwindet - bis zum nächsten Jahr),
 


...der Bärlauch, der sich in einer halbschattigen Unkrautecke richtig wohlfühlt,


 ...und nicht zuletzt die Brennesseln beim Kompost, die gerade zu Topform auflaufen und bald wieder meterhoch stehen werden.


So viel Grün (und da gibts ja noch viel mehr, Sauerampfer jede Menge, Löwenzahn und anderes UnWildkraut) - wenn das nicht genau das Richtige ist, um leere Energiespeicher aufzufüllen! Schon der Anblick tut gut, und mir fällt Hildegard von Bingens "Grünkraft" ein, über die ich vor fast genau drei Jahren hier einmal geschrieben habe. Anscheinend hatte ich das Grün damals schon sehr nötig... Wie konnte ich das vergessen? 
Also habe ich gleich aus dem Vollen geschöpft und grüne Natur"medizin" fabriziert - ich nenne es: 

GRÜNKRAFT-PESTO

Je eine gute Handvoll Spinat- und Brennesselblätter (immer die zwei, drei obersten Blätter samt den jungen Spitzen) und 8 - 10 Bärlauchblätter waschen und grob zerkleinern. Den Spinat in kochendem Wasser kurz zusammenfallen lassen. Alles zusammen mit einem Esslöffel Sonnenblumenkerne, geriebenem Parmesan, dem Saft einer halben Zitrone und reichlich Olivenöl im Mixer pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Mengenangaben sind ungenau, ich habe nach Gefühl solange rumgemacht, bis es die richtige Konsistenz hatte... aber das ist nicht allzu schwierig. Meines wurde durch etwas zu viele Sonnenblumenkerne recht fest, was den Vorteil hat, dass man es auch gut als Brotaufstrich nehmen kann. Für die Verwendung als Nudelsauce habe ich es mit Nudelkochwasser verdünnt.
Dieses grüne Zeug ist so gut, dass ich in Versuchung war, das ganze Glas einfach auszulöffeln. Noch leckerer wird es vermutlich, wenn man Basilikum dazunimmt. Das wird dann die nächste Portion...  :P



Sonntag, 7. Oktober 2018

Sonntagsfreude: Ganz schön Feige!



Als wir vor nunmehr fünf Jahren aus dem rauheren Oberschwaben hierher ins milde Neckartal mit seinem Weinbauklima gezogen waren, fielen mir in den Gärten hier und da große Feigensträucher auf, die im Herbst über und über voll mit lilablauen Früchten waren. Ich kann mich nicht erinnern, diese "Exoten" in meiner Kindheit schon gesehen zu haben. Inzwischen scheinen sie recht beliebt zu sein, vorausgesetzt der Garten ist groß genug.
Ich mag Feigen sehr gern, vor allem, wenn sie wirklich ganz reif frisch vom Baum kommen, und so rodeten wir eine Gartenecke, um unser Glück zu versuchen. Die Gärtnersfrau meinte zwar, dass die Früchte nur in langen, warmen Sommern wirklich ausreifen würden, aber in diesen Klimawandelzeiten dürfte das ja kein großes Problem sein...
Wir pflanzten also unser kleines Feigenbäumchen, und nun, im zweiten Jahr, ist es hübsch gewachsen und beschenkt uns mit genau DREI kleinen Babyfeigen!  :) 
Allerdings sind sie trotz des heißen Sommers noch grün, und ich bin skeptisch, ob sie es noch packen, bevor der erste Frost kommt. Das Bäumchen steht leider nicht in der vollen Sonne, ein Pfeifenstrauch daneben ist viel zu groß geworden und muss jetzt dringend gestutzt werden.





Dennoch gab es letzte Woche einen wahren Feigen-Glückstag für mich, denn ich bekam von Leuten, die nicht mehr wussten, wohin mit der Feigenflut von ihrem großen Strauch, fast drei Kilo der leckeren Früchte geschenkt! Vollreif und so süß und aromatisch, dass sie schon pur wie die reinste Marmelade schmeckten.
Ich habe gefuttert, soviel ich konnte, der Sohn hat seine Freunde mit Feigen-Apfel-Trauben-Obstsalat bewirtet, und mein sehr überschaubarer Vorrat an Eingekochtem ist um fünfzehn Gläser Feigenmarmelade gewachsen (stark zuckerreduziert wegen der Süße der Feigen und veredelt mit einem guten Schuss von meinem letztjährigen selbstgemachten Nusslikör... ich muss beim Marmeladekochen immer ein bisschen rumprobieren).

   
Das Beste kommt zum Schluss, denn niemals schmeckt ein Marmeladenbrot besser als mit dem noch warmen Rest frisch aus dem Topf bestrichen... (früher bekamen das immer die Kinder, heute belohne ich mich selbst damit)!  :)



Sonntag, 9. September 2018

Sonntagsfreude: Mann kann's!



...und zwar der junge Mann hier im Hause. Erst hat er Dinkelbrot gebacken, mit einer Backmischung, aber die war "Bio" und ohne besondere Zusätze, und da wird das Brot auch nicht irgendwie von selber gut, sondern nur, wenn man ausgiebig knetet. Und das tut er mit Muskelschmalz und Hingabe und richtig lange (nicht wie die Mama, die nach fünf Minuten schlappmacht...).
Und weil er noch nicht genug hatte, machte er kurzerhand Zwiebelkuchen zum Abendessen, nach einem Rezept aus dem Internet (mit Kochbüchern fängt diese Generation nicht so viel an, das wird schnell gegoogelt). Es war dann auch nicht der klassische schwäbische Zwiebelkuchen, sondern eher eine Art flache Pizza, aber zum ersten Federweißen der Saison schmeckte es ganz prima.
Ich finde es einfach total schön und genieße es immer sehr, wenn die Jungs Spaß daran haben, in der Küche zu experimentieren und ihre Eltern zu bekochen. Außerdem muss man sich dann keine Sorgen machen, dass sie sich später nur von Fastfood oder Fertiggerichten ernähren.
Eine Sonntagsfreude, die durch den Magen ging.

Dienstag, 10. Juli 2018

Sommer-Frisches





Aromatische Erfrischung an heißen Tagen: Kräutertrank aus dem Garten!

Man nehme Blätter und Zweiglein von allem, was einen beim Gang durch den Garten verlockend anlacht bzw. anduftet, z.B. Minze, Zitronenverbene, Melisse, Eberraute ("Colakraut"), Mädesüßblüten, Rosenblätter... Alles zusammen in einen Krug geben (gerne auch noch Zitronenscheiben, die habe ich hier vergessen) und mit Apfelsaft - pur oder mit Wasser verdünnt - aufgießen. Über Nacht in den Kühlschrank stellen. 
Zum Trinken über ein Teesieb ins Glas gießen und je nach Geschmack mit Mineralwasser auffüllen.

Ich finde diesen kalten Kräuter-Auszug ohne jeden Zuckerzusatz (abgesehen vom Apfelsaft) ungemein frisch und lecker.

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HACH!! Und jetzt stelle ich gerade fest (mir kam so eine dunkle Ahnung), dass ich dieses Getränk schon einmal vorgestellt habe... hier... Egal! Schmeckt fünf Jahre später immer noch gut, ist jetzt schon geschrieben und wird nicht wieder gelöscht (aber dafür der Durst)! ;)

Sonntag, 11. März 2018

kochen, stricken, backen...



...mehr tue ich anscheinend nicht, wenn es nach meinen derzeitigen Blogposts geht (ok, fotografieren...)  ;)
Nun, der Eindruck trügt natürlich. Diese waaahnsinnig leckeren Zimtschnecken hier habe ich genausowenig selber gemacht wie das Ofengemüse von neulich. Das macht hier alles der Sohn. Immer mal wieder. ;)  Nur das Stricken nimmt er mir nicht ab - obwohl: in der vierten Klasse hat er mir tatsächlich mal einen kleinen Loopschal gestrickt. Da war er in der Projektwoche in eine Strickgruppe geraten, als einziger Junge... er blieb ganz cool und zu Weihnachten bekam ich ein kuscheliges blaues Teil, mit dicken Nadeln gestrickt und bis heute mein liebster nächtlicher Halswärmer, ohne den ich im Winter nicht einschlafen kann. 
Aber zurück zum Thema:


Ich habe ja selber schon oft Zimtschnecken gebacken, nach der üblichen Methode: Hefeteig ausgewellt und mit einer Mischung aus flüssiger Butter, Zucker und Zimt bestrichen. Sie waren immer ratzfatz aufgegessen und also gewiss nicht schlecht. Aber der Filius fand sie immer etwas zu trocken - eben nicht wie die bei Ikea. Also wurde nachgeforscht - erfolgreich! Bitteschön: das original Kaneelbullar-Zimtschnecken-Rezept vom Möbelhaus, hier zu finden. 


Die entscheidende Zutat für den Unterschied bei der Füllung ist (nie wäre ich darauf gekommen, weil man es nicht herausschmeckt): Marzipanrohmasse. Dadurch wird das Ganze cremig und saftig. Außerdem muss ich zugeben, dass der Sohn einfach mehr Geduld hat als die Mama und den Teig wirklich zehn Minuten lang knetet... 
Er hat beim ersten Mal nur die halbe Menge vom Rezept genommen, aber inzwischen machen wir immer die Originalmenge mit 1 kg Mehl (gibt zwei Bleche voll) - erstens weil die Hälfte davon gleich noch warm weggeputzt wird, und zweitens, weil sie sich wunderbar einfrieren lassen und aufgetaut und auf dem Toaster oder im Ofen kurz angewärmt (fast) wie frisch gebacken schmecken. Fluffig, saftig, zimtig... 
Suchtfaktor: 100%. Empfehlung: Backen! Am besten gleich morgen... und übermorgen... und überübermorgen...  :D

Wichtig: wirklich dieses Rezept aus der PDF nehmen und nicht das von der Ikea-homepage, das ist nämlich merkwürdigerweise anders.

Montag, 5. Februar 2018

Montagsfreuden :)


 ...die Erste: Ein Hauch von Schnee und blauer Himmel dazu...


...die Zweite: Das vom Sohn servierte Mittagessen, das ein Augen- und Gaumenschmaus sondergleichen und einfach "Soulfood" pur war!
Da ich nämlich trotz des schönen und lange vermissten sonnigen Winterwetters (oder vielleicht gerade deshalb) total müde und lustlos war und mich dennoch mit Steuererklärungs-Hickhack und Telefonaten mit Ämtern herumschlagen musste, übernahm der Filius und schnippelte, was das Zeug hielt: Paprika, Tomaten, Zucchini, gelbe und rote Rüben, Süßkartoffeln, Zwiebeln, Knofel, dazu Feta und Rosmarinzweige, alles gut geölt und gewürzt und eine Stunde im Ofen geröstet. Ich muss (nicht ohne Mutterstolz) gestehen, dass sein Ofengemüse um Klassen besser geriet als das, was ich sonst mache. Er schneidet das Gemüse in kleinere Stücke, packt mehr davon übereinander und schiebt das Ganze weiter unten in den Ofen - das ist wohl der Grund für das perfekte Ergebnis. Und natürlich das feine Händchen für die Gewürze, bei denen er gerne aus dem Vollen schöpft.
"Lass deine Nahrung deine Medizin sein...", hat Hippokrates gesagt. Das hier war heute für mich sicher die allerbeste Medizin!

 

Sonntag, 13. August 2017

Blumen-Kohl


Viel Zeit zum Blogschreiben habe ich nicht mehr, denn übermorgen geht es ab in den Urlaub. Aber diese besondere Kohl-Blume wollte ich doch noch gezeigt haben...


...auch wenn es sich hierbei, wie ihr sicher erkannt habt, nicht um eine farbintensive Neuzüchtung handelt, sondern um botanische "fake news".  ;-) Nämlich um eine tiefrosa Malvenblüte, die ich wegen des faszinierenden Farbkontrasts unbedingt auf die schwarzgrünen Blätter des Palmkohls setzen und ablichten musste.


Auf den Toskanischen Palmkohl (oder auch Schwarzkohl) bin ich im Frühjahr beim Sameneinkauf erstmals gestoßen, und die Anzucht auf dem Fensterbrett hat problemlos geklappt. Im Garten sind daraus große, buschige Stauden geworden, deren Blätter kleingeschnitten, mit Zwiebel und Knoblauch gedünstet und mit Pasta oder Kartoffeln vermischt eine schnelle und leckere rustikale Mahlzeit ergeben. Rustikal deshalb, weil der Palmkohl der robustere Verwandte des Wirsings ist und auch nach halbstündigem Garen noch etwas Biss hat, was ich aber gerne mag. Aber auch wenn man ihn nicht essen wollte, wäre er durch sein dekoratives Aussehen eine echte Bereicherung für den Garten (auch ohne rosa Blüten...). Ich habe Palmkohl-Stauden sogar in den üppigen Blumenbeeten im Stadtzentrum entdeckt, wo sie einen tollen dunklen Kontrapunkt zu den bunten Blütenpflanzen setzen. Nur gut, dass wahrscheinlich die wenigsten Leute wissen, dass diese grünschwarzen Blätter essbar und gesund sind, sonst müsste die Stadtgärtnerei ständig Palmkohl nachpflanzen...   :-)

Montag, 17. April 2017

Vom Frühling zum Sommer...



...und das an einem einzigen Wochenende, kurz vor Ostern: Ich rede nicht vom Wetter, denn das ist sehr aprilmäßig und somit völlig normal (auch wenn man einen Osterspaziergang lieber im Sonnenschein machen würde). Nein, es war ein eher kulinarischer Jahreszeitenwechsel, der hier an zwei Tagen nacheinander zelebriert wurde!


Der mittlere Sohn samt Freundin war zu Besuch gekommen, was ja alleine schon eine Osterfreude ist. Die Freundin, deren Familie aus Vietnam kommt, hatte wieder einmal leckere selbstgemachte Frühlingsrollen von ihrer Mama mitgebracht - die macht davon immer so um die 200 Stück auf einmal. Die wurden am Donnerstagabend fritiert und verputzt (also, nicht zweihundert, "nur" zwanzig oder so...).    ;-)
Am nächsten Tag kündigten die beiden an, für uns Sommerrollen zu machen. Von solchen hatte ich bis dato noch nichts gewusst und war gespannt. Zunächst mal gab es ordentlich Arbeit: Gurke, Möhren, Schnittlauch und Paprika wurden geschnippelt, Garnelen und Schweinebauchstreifen geköchelt (Schweinefleisch, ja - nicht gerade sehr karfreitäglich, aber wie sagten schon die alten Mönche: "Festtag bricht Fasttag!"  :-)). 


 

Getrocknete Platten aus Reisnudeln wurden in heißem Wasser eingeweicht, bis sie elastisch - und ziemlich klebrig - waren. Und dann gab es da noch eine Packung mit etwas, das aussah wie runde, durchsichtige Plastikfolien...



Alle Zutaten kamen auf den Tisch, und dann ging es los. "Sommerrollen sind das asiatische Pendant zu Raclette oder Fondue - jeder macht sich seine eigenen am Tisch", erklärte die junge Fachfrau. Die "Plastikfolie" - sie besteht aus Tapiokamehl - wird durch heißes Wasser gezogen und bekommt dadurch eine gummiartige Konsistenz. Darin wird alles, was man mag, eingewickelt: zuunterst eine Reisplatte, darauf Gemüse, Kräuter, Fleisch, Fisch... (Die speziellen Teller sorgen dafür, dass das Ganze nicht anklebt).
 





Die fertige Sommerrolle wird - je nach Geschmack - in würzige oder scharfe Saucen getunkt und aus der Hand verspeist. Auch wenn sie fast zu schön zum Aufessen sind... aber man macht sich ja dann gleich eine zweite, und dritte, und so weiter - ich glaube, ich habe sechs oder sieben gegessen. Mindestens.


Jetzt interessiert mich nur eines: ob es wohl auch Herbst- und Winterrollen gibt? Ich hoffe doch sehr...(*sabber*!).   :-)

Samstag, 11. März 2017

Tolle Knolle

Im Garten am vorigen Wohnort kamen sie jedes Jahr von selbst, und wir hielten sie erst für ganz normale Vertreter der Spezies Helianthus: hohe Stengel mit großen derben Blättern und einer kleinen gelben Blütensonne obendrauf. 
 

Als mein Mann im Herbst die abgeblühten Pflanzen aus dem Boden zog, hingen untendran viele kleine und größere hellbraune Knollen. Auf die Frage, ob ich wisse, was das sei, tauchte in meinem Kopf das Wort "Topinambur" auf. Obwohl ich noch nie welche gesehen hatte, aber vermutlich davon gehört oder gelesen. Sicher war ich mir natürlich nicht, also wurde im Internet geforscht, und um jedes Risiko auszuschließen (und weil die Knollen unter anderem auch als "Hasenkartoffel" bezeichnet wurden), wurde unser Kaninchen als Vorkoster auserkoren... und überlebte nicht nur, sondern fand das neue Futter höchst schmackhaft. Und da ich erfahrungsgemäß so gut wie alles mag, was Hasen schmeckt, verarbeitete ich einen Teil der Knollen zu einem Rohkostsalat. Sah aus wie weißer Rettichsalat, schmeckte aber ganz anders: mild und nussig. Lecker! fand ich. Mein Mann ist nicht der geborene Rohköstler und bevorzugte die gekochte Variante.
Viele Jahre lang gab es im Winter frisches Topigemüse aus dem Garten, dann kam der Umzug, und ich dachte erst mal an anderes als an die kleinen, wegen ihres knubbeligen Wuchses doch recht umständlich zu putzenden Knöllchen.

 
Letztes Frühjahr sah ich dann eines Tages im Supermarkt Topinambur aus Frankreich im Angebot, und ich war fasziniert: große, rote, fleischige Knollenbollen waren das, gegen welche meine früheren "Wildpflanzen" geradezu mickrig wirkten. Gesehen, gekauft und eingegraben, und zwar ganz am nördlichen Beetende (weil die hohen Pflanzen sonst allen anderen das Licht wegnehmen). Die Dinger wuchsen und wuchsen mir weit über den Kopf, blühten so hoch oben, dass man nur aus dem Fenster im ersten Stock etwas davon hatte, und wurden schließlich einen halben Meter über dem Boden abgeschnitten. Die Knollen blieben im Boden, denn sie schmecken erst nach dem ersten Frost richtig gut.

 



 


















Seit einigen Wochen grabe ich jetzt immer wieder mal zwei, drei Stöcke aus und freue mich über die vielen großen, dicken Prachtknollen. Ich schäle sie und schneide dabei allzu Knubbeliges recht großzügig weg (die Knubbel könnte man auch wieder in den Boden stecken für neue Pflanzen, ist aber nicht nötig, denn man bekommt beim Ausgraben nie alles raus, es wächst also von selbst genug nach), verarbeite sie zu Salat oder dünste sie. Auch Pürree habe ich schon gemacht, gemischt mit Kartoffeln, damit die Konsistenz nicht zu wässrig wird. Mir schmecken die "Ewigkeitskartoffeln", wie sie auch heißen (weil sie, einmal im Boden, fast nicht mehr auszurotten sind), roh immer noch am besten, weil sie einen so herrlich knackigen Biss haben.




Nach dem Schälen muss man sie gleich in Wasser mit einem Spritzer Zitrone legen, sie werden sonst schnell bräunlich.


Hier kann man noch einiges über die gesunde Knolle lesen: KLICK
Eines weiß ich: wenn hungrige Zeiten kämen und man sich aus dem Garten versorgen müsste - ich würde neben Kartoffeln und  Gemüse auf jeden Fall auch Topinambur pflanzen, denn es ist eines der ganz wenigen Gartenerzeugnisse, die man im Winter und vor allem im zeitigen Frühjahr frisch und in größerer Menge ernten kann. Ich finde es toll!

Sonntag, 12. Februar 2017

"bloggerlecker": Süßkartoffel-Quinoa-Auflauf



Ich gehöre ja nicht zu den Menschen, die jede neue Mode mitmachen müssen - weder bei der Kleidung noch beim Essen. Sogenannte Superfoods, für die man ein Heidengeld hinblättern soll, können mir so ziemlich gestohlen bleiben, und irgendwelche Diäten habe ich noch nie für gesünder gehalten als das, was ich normalerweise zu mir nehme. Andererseits bin ich aber auch neugierig und probiere ab und zu gerne mal was aus. Süßkartoffeln zum Beispiel, die ich irgendwo in Form von dünn gehobelten und fritierten Chips kennenlernte, fanden auch meine Kinder lecker - inzwischen habe ich einige weitere Rezepte mit den orangeroten Knollen, die immer mal wieder auf unseren Tisch kommen. Und auch die winzigen Quinoa-Körnchen haben es mir angetan, vor allem als Zutat in Aufläufen finde ich sie attraktiv. Sie enthalten viel Eiweiß, und da wir schon seit längerem den Fleischkonsum stark eingeschränkt haben, sind solche Zutaten umso wertvoller.
Heute gab es also zum Mittagessen wieder mal diesen beliebten Auflauf, bei dem auch mein Mann fleischlos satt und glücklich is(s)t und den ich auch optisch einfach sehr gelungen finde: 

QUINOA - SÜSSKARTOFFEL - AUFLAUF

Man braucht dazu:

400 g Süßkartoffeln
150 g Quinoa (der helle ist milder im Geschmack, der dunkle nussiger)
100 g Kichererbsen aus der Dose
150 g TK-Erbsen
125 g Maiskörner (Dose)
3 Lauchzwiebeln
100 ml Sahne
Salz, Pfeffer, Ingwer (frisch gerieben oder als Pulver), Paprika (edelsüß oder scharf), oder auch Garam Masala o.ä.
geriebenen Käse und evtl. Pinienkerne


Süßkartoffel schälen, würfeln und knapp mit Wasser bedeckt garen (Achtung, wird schneller weich als normale Kartoffeln - sie sollten nicht zerfallen).
Quinoa gründlich abspülen und wie Reis in Wasser garkochen (dauert etwa 12 Minuten, die Körner platzen dabei auf).
Beides mischen und die in Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln, die Kichererbsen, den Mais und die grünen Erbsen dazugeben. Würzen nach Geschmack (bei mir wird's jedesmal ein bisschen anders - mal milder, mal schärfer).
In eine Auflaufform füllen und mit der Sahne übergießen, mit geriebenem Käse (ich nehme nur so viel, dass man die tollen Farben noch sieht) und, wenn man mag, Pinienkernen bestreuen. 
Bei 180 - 200°C etwa 25 Minuten überbacken.


Mit einem schönen gemischten Salat (für den hier meist der Herr des Hauses zuständig ist) kombinieren und auch die Augen mitgenießen lassen: orange, hellgrün, weiß, gelb das Gemüse und dazu die kleinen schwarzbraunen Körner - das bringt Frühlingsfarbe in den Spätwinter! Lasst es euch schmecken!



Verlinkt mit "bloggerlecker" - dort werden von Petra/limeslounge noch mehr Gaumenfreuden gesammelt.

Donnerstag, 12. Mai 2016

Rosmarin





Sie passt ja eigentlich nicht direkt zu Pfingsten, dem "lieblichen Fest", diese Pflanze - obwohl, lieblich sind sie auf ihre Art auch, die zarten blassblauen Rosmarinblüten. Ihr traditioneller Symbolgehalt ordnet sie allerdings eher anderen Tagen zu: Gedenktagen, Erinnerungstagen, auch Todestagen. In manchen  Volksliedern zeigt der Rosmarin den Tod des Geliebten an ("Ich hab die Nacht geträumet..." oder "Es wollt die Jungfrau früh aufstehn..."). 
Aber der Rosmarinstrauch vor meiner Haustür, dessen kleine Blüten man erst bei näherem Hinsehen entdeckt, hat bei aller stillen Ernsthaftigkeit auch eine feine  filigrane Leichtigkeit an sich. Und ich liebe nicht nur seine aparten Farben, dieses blasse Lilablau zu den dunkelgrünen Nadeln und dem graubraunen Holz, sondern auch sein kräftig-würziges Aroma, das außer zu Kartoffeln oder Lammfleisch auch prima zu Käse, Eiergerichten und vielem anderen passt.


Erstaunlicherweise kann man mit Rosmarin auch Süßes würzen, Kekse zum Beispiel (vielleicht ist das für manche gar nichts Neues, ich wusste es bisher noch nicht). Das Rezept habe ich irgendwo gelesen und finde es jetzt nicht mehr, macht aber nichts: es ist ein ganz gewöhnlicher mürber Plätzchenteig mit Zucker und etwas Salz und mit viel kleingeschnittenem frischem Rosmarin. Ich hatte auf ca. 250 g Mehl zwei Teelöffel voll drin, und es hätte für meinen Geschmack ruhig noch mehr sein können. Weil ich das Ganze etwas salziger haben wollte, hab ich noch ein bisschen fleur de sel obendrauf gestreut. Ich mag diese Gleichzeitigkeit von süß und salzig sehr gerne (Schokolade mit Salzkristallen - hmmm!). Die Kekse waren (nicht nur von mir!) ratzfatz aufgegessen, so lecker waren sie. Das nächste Mal werde ich sie aber weniger süß und mehr salzig machen - das stelle ich mir zu einem Glas Wein sehr passend vor.



Den Rosmarin lasse ich über meine Gartenmauern wachsen,
nicht nur, weil meine Bienen ihn lieben, sondern auch,
weil er das der Freundschaft und Erinnerung geweihte Gartenkraut ist.
Schon ein Zweiglein von ihm spricht eine stumme Sprache. 

Sir Thomas Moore 

Donnerstag, 17. März 2016

Pastinaken statt Politik

Es gäbe so viel zu sagen, zu schreiben, Stellung zu nehmen zu all dem, was in diesem Land, in Europa, in der Welt vor sich geht. Nicht zuletzt nach den letztsonntäglichen Wahlen - wobei wir hier in Ba-Wü ja immer noch auf einer vergleichsweise "grünen Insel" leben (der in Magdeburg studierende Sohn meinte am Telefon, wenn er es dort oben nicht mehr aushalte, werde er hier Asyl beantragen...).
Aber: ich lasse es bleiben, das Kommentieren und Gedankenformulieren und Sorgenausbreiten. Irgendwie - hab ich keine Lust dazu. Bin müde, fühl mich manchmal "alt". Ein bisschen Frühjahrsmüdigkeit ist vielleicht auch dabei, in diesem momentan noch recht kalten und windigen März.
Aber was gibt es Besseres gegen Kälte, Frühjahrsmüdigkeit und Katerstimmung als eine gehaltvolle, schmackhafte, vitaminreiche heiße Suppe? (Uff - Überleitung geschafft!)   ;-)



Eine cremige, angenehm würzige Suppe aus einem in den letzten Jahren wieder in Mode gekommenen Gemüse, das ich unheimlich gerne mag: Pastinaken. Das Rezept habe ich von einer Freundin aus Siebenbürgen, die sie als Vorspeise zu einem typisch ungarischen und ziemlich fleischlastigen Hauptgang serviert hat. Aber sie bildet auch eine prima Grundlage für nachfolgende vegetarische Genüsse.



PASTINAKENSUPPE

Zutaten für 4 - 6 Portionen:

2 - 3 Pastinaken
1 Kartoffel 
(ich hatte zwei kleine gekochte übrig, das passt dann auch) 
1 Apfel
1 kleine Knoblauchzehe
ca. 1Liter Gemüsebrühe
Schlagsahne (nach Gefühl... so etwa 150ml?)
evtl. etwas Pesto 
Salz, Pfeffer, eine Prise Ingwerpulver



Pastinaken putzen und in Stücke schneiden. Den Apfel und die Kartoffel schälen und würfeln (falls man nicht, wie ich, eine fertig gekochte übrig hat, die kommt dann natürlich erst gegen Ende dazu). Knoblauchzehe hacken. Alles zusammen  in Butter oder Öl kurz andünsten, mit Brühe soweit auffüllen, dass alles gut bedeckt ist, und weichkochen. Dann das Gemüse pürieren, dabei soviel Brühe nachgießen, dass die Suppe die gewünschte Konsistenz bekommt. Sahne zugießen, mit Salz, Pfeffer und Ingwerpulver (und nach Belieben mit etwas Petersilie) würzen. Nochmals kurz erhitzen.


Sehr gut passt dazu ein Löffelchen Pesto, mit etwas Olivenöl verdünnt und dekorativ in die Suppe gerührt.
So, nun bin ich gespannt, ob ihr die Pastinakensuppe genauso lecker findet wie ich (mit oder ohne Politik... das erinnert mich gerade daran, wie meine Mutter vor Besuchen bei ihrem Bruder - meinem Patenonkel - immer beschwörend sagte: "Aber gell, beim Essen wird nicht über Politik gestritten!!").    :-) 


(O je, ein Food-Fotograf wird aus mir in diesem Leben nicht mehr... schnell vor dem Essen noch die Suppe fotografieren, den Teller dabei auf dem Tisch herumschieben, damit er nicht halb in der Sonne und halb im Schatten steht, und das Besteck dabei ganz außer Acht lassen - am Besten hält man es mit Karlsson vom Dach: "Das stört doch keinen großen Geist!" Also: Mahlzeit!)