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Sonntag, 1. Juli 2018

Sonntagsfreude: Habe fertig! :)





Die letzten beiden Wochen waren - nein, nicht wirklich schlimm, schlimm ist ganz anders, aber - irgendwie doch ein bisschen zum Vergessen. Die Erkältung, die ich mir Anfang Juni im ICE eingefangen hatte, zog sich runter auf die Bronchien, und da blieb sie trotz Intensiv-Dauerbeschuss mit diversen "Lösemitteln" zwei Wochen lang hocken und raubte mir Schlaf und Nerven. Fast am meisten ärgerte mich, dass ich mich nicht traute, meine geliebten abendlichen Schwimmrunden im Freibad zu drehen. Das Wasser ist zwar nicht besonders kalt dort, aber wenn jeder rasche Atemzug mit offenem Mund einen mittleren Hustenanfall zur Folge hat, hält sich der Schwimmspaß in Grenzen... 
Das ist nun meine erste Sonntagsfreude, dass ich damit über den Berg bin. Heute verkneife ich mir den Freibadbesuch noch (wegen des sonntäglichen Massenansturms bei diesem Wetter), aber morgen wird mich nichts mehr halten: Wasser, ich komme!

Die zweite "Habe-fertig"-Sonntagsfreude seht ihr auf den Fotos oben: eine Babydecke. Im Familienkreis hat sich wieder Nachwuchs angekündigt, und wir warten täglich auf die frohe Nachricht. Bis jetzt hat ja nur mein Mann Enkelkinder, und ich liebe sie allesamt, fühlte mich aber bisher nie als "Stief-Oma", sondern eher als eine Art von Tante. Aber da die betreffende Tochter als Jüngste oft bei uns zu Besuch war und wir ein sehr inniges Verhältnis haben, verspüre ich jetzt doch auch starke "Omagefühle"... hach, ich freu mich auf dieses Kind!
Die Wolle für die Decke (Lang Merino fine superwash, 500 g) ist herrlich soft und flauschig und glitt fast von selber durch die Finger und über die Nadeln. Allerdings habe ich, nachdem ich ein Stück weit gestrickt hatte, große Zweifel an meiner Farbwahl bekommen. Dieses sanfte Graubraun hatte mich im Laden sofort alle üblichen Babyfarben vergessen lassen, es sah so schön nach Wärme, Geborgenheit und Natur aus und erinnerte mich an das Buch von den "Wurzelkindern", das ich immer so mochte. Aber am gestrickten Stück wirkte die Farbe um einiges dunkler, und ich habe eine Zeitlang nur weitergestrickt, weil ich nicht wusste, was ich sonst mit der Wolle hätte anfangen sollen. Jetzt, wo sie fertig ist, gefällt mir die sanftbraune Decke aber wieder recht gut - ich denke, es muss ja nicht immer Blau oder Flieder oder Weiß sein (so schön das ist). 
Das Muster mit den lustigen "Windmühlen" (auf dem dritten Bild am besten zu erkennen) habe ich in einem Blog gefunden, weiß aber nicht mehr in welchem. Falls es jemanden interessiert, kann ich es gerne weiterreichen.


Ja, und fast fertig habe ich noch ein kleines Dreieckstüchlein aus Baumwollresten, angeschlagen auf dem Flug nach Zypern (um mich von meiner latenten Flugangst abzulenken), weitergestrickt im Reisebus, und dann beim Rückflug doch nicht ganz fertig geworden. Aber da ich jetzt schon mal im Schwung bin, werde ich das wohl auch noch schaffen... ;)

Montag, 21. Mai 2018

Zum Anbeißen :)




Das gab's heute bei uns zum Sonn Montagskaffee: Fliederschaum mit Schlagsahne.

ECHT JETZT??

Aber nein! Sieht aber jedenfalls ziemlich lecker aus, finde ich.

Im Pfingstmontags-Gottesdienst wurden zwei Kinder getauft, und der Taufstein war u.a. mit vier Pfingstrosenblüten geschmückt, zwei weiß, zwei rosa. Passend zum Strauß auf dem Altar. Nach der Kirche hieß es: wer mag die Blumen mitnehmen? Die Pfarrerin fährt morgen in Urlaub, die Mesnerin hat selber noch massenhaft Pfingstrosen im Garten, und alle anderen waren schon gegangen.  So kam ich unverhofft zu dieser Pracht. Was mich doppelt freut, weil meine Pfingstrosen immer schon lange vor Pfingsten blühen und sich inzwischen verabschiedet haben. Ist er nicht wunderbar, der dicke Strauß?




Eine schöne Pfingst(ferien?)woche euch allen!

Montag, 25. Dezember 2017

Sternbilder



Ich unterbreche meine Blog-Weihnachtsferien, weil Rita "mit Hand und Herz" so schöne Sterne gebastelt und zusammen mit ihrem Adventskalendertee verschenkt hat. Sie schreibt, sie würde sich über ein Bild vom Stern in der neuen Umgebung freuen.
Ich habe mich auch gefreut, weil ich eigentlich selbst so einen Stern machen wollte und vergessen hatte, die Butterbrottüten zu kaufen, die man dafür braucht.
Liebe Rita, hier siehst du deinen Stern an meiner Balkontür, einmal noch vor Weihnachten und bei Tag und einmal am Heiligen Abend, mit den kleinen peruanischen Krippenfiguren darunter. Unscharf, weil ohne Blitz, aber sehr stimmungsvoll. Danke!

Sonntag, 2. Juli 2017

Lebenskünstler












Als solchen kann man die Hauswurz zu Recht bezeichnen - oder sollte ich sie besser Hungerkünstler nennen? Aber danach sieht sie nun gar nicht aus, ganz im Gegenteil: Saftige, pralle Blätter und hohe Blütenstengel mit hübschen sternförmigen Blüten, das wirkt doch alles andere als magersüchtig, trotz absoluter Anspruchslosigkeit. Sie scheint von Luft und Licht zu leben.
Eine Pflanze für eine wie mich, die öfter mal das Gießen vergisst...
Was ich an dieser Pflanze außer ihrer Genügsamkeit auch sehr mag, ist ihre Ruhe: Sie nimmt sich viel Zeit, lässt es langsam angehen mit dem Wachsen. Wenn aber die Zeit reif ist zum Blühen, dann legt sie los - zwar immer noch relativ gemächlich, aber gemessen an ihrem sonstigen Tempo doch recht zügig. 
Die abgebildete Pflanze habe ich als drei oder vier kleine Ableger vor fast genau drei Jahren von ihr* bekommen. Sie stand sommers wie winters draußen auf dem Balkon, immer in der gleichen Erde. Erst in diesem Jahr hatte sie sich soweit vermehrt, dass sie die Tonschale ganz ausfüllte. Anfang Juni zeigten sich vier verheißungsvolle kleine Knubbel, und gut drei Wochen später war es soweit und die erste Blüte an jedem Stengel öffnete sich, strahlend wie eine kleine, bräunlich-rosa Sonne.
Ich freue mich jeden Tag an dem Anblick, zumal die Erinnerung an einen besonderen Ausflug und eine schöne Begegnung damit verbunden ist.
Liebe Roswitha, liebe Joona - wir haben uns leider aus den Augen verloren, aber in meinem Herzen seid ihr dabei, wenn ich meiner Hauswurz ab und an ein paar Tropfen Wasser gebe und auch an euch denke... Ich hoffe, ihr habt einen schönen Sommer!  <3

*ich habe mich erst beim Versuch zu verlinken daran erinnert, dass ihr Blog ja nicht mehr öffentlich zugänglich ist... Es gibt Wichtigeres im Leben, und alles hat seine Zeit.

P.S. Warum Blogger plötzlich weder Schriftart noch -grad so macht, wie ich es haben möchte, weiß ich nicht... es kommt entweder ganz klein oder riesengroß heraus. Ich hoffe, das gibt sich bald wieder!!!

Dienstag, 26. Juli 2016

Rosa



"Ich lerne viel", habe ich in einem der letzten Posts geschrieben. Das ist kein Wunder, wenn man täglich intensiv mit einer neuen Situation umgehen, auf ständig wechselnde und unvorhersehbare Ereignisse und Stimmungen reagieren muss und dabei erst allmählich herausfindet, wie das alles zusammenhängt und zustandekommt. Welches Verhalten welche Reaktion hervorruft. Wie die veränderte, verfremdete Wahrnehmung eines eigentlich vertrauten Menschen die ganze Kommunikation mit ihm verändert. 
Manchmal geschieht allerdings doch so etwas wie ein kleines Wunder, das ein ganz neues Licht auf den mühsamen Alltag mit einem Menschen wirft, der aus der Normalität und aus seiner Vertrautheit mit seinem Leben herausgefallen und dadurch zutiefst verunsichert und deprimiert ist. Ein kleines Wunder, das zeigt, wie viel seelische Kreativität trotz des unaufhaltsamen Verfalls noch in ihm steckt. 


Es hat ja eine ganze Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass es gar nichts hilft, einem dementen Menschen seine irrealen Vorstellungen ausreden oder ihm gar das Gegenteil beweisen zu wollen. Ein kleines Beispiel:
"Wo sind wir hier eigentlich? Ich will endlich wieder nach Hause!"
"Papa, das ist doch unser eigenes Haus!"
"Ach was, so ein Blödsinn! Das ist doch nicht mein Haus!" 
"Schau mal, da sind doch deine Möbel - deine Bücher - deine Bilder..."
"Ja, das finde ich also schon empörend, dass die das alles geklaut haben!"
(Ich überspringe einen Teil des sinnlosen Dialogs-)
"Papa, weißt du was? Wir gehen jetzt mal zur Haustür und schauen, was auf dem Klingelschild steht. Da steht doch immer der Name von den Leuten, denen das Haus gehört."
"Ja, gut, das machen wir."
Wir gehen hin und lesen, was auf dem Schild steht.
"Schau, Papa: das ist dein Name. Und das da ist meiner."
Kurze Pause. Dann Entrüstung: "Also - das ist aber wirklich allerhand...!!!"

Was in dieser Szene eher humoristisch wirkt, führte in anderen Fällen oft zu richtigem Streit. Er bestand darauf, dass ich über irgendwelche Dinge Bescheid wissen müsse, die er geträumt oder halluziniert hatte. "Aber du warst doch selbst dabei!" Wenn ich dann beteuerte, ich wisse davon nichts, dachte er, ich verschweige ihm etwas. Ich habe viel zu lange nicht kapiert, dass ich diese Konfrontationen nicht gewinnen kann und dass mein Vater daraus nur den Schluss zog, dass ich gegen ihn sei.


Wieder einmal war ich in so eine "Falle" getappt und wir waren beide erschöpft von einem längeren Wortwechsel. Plötzlich schaute er mich aufmerksam an und sagte: "Wer sind Sie denn?" Ich dachte: o je, jetzt fängt das an, dass er mich nicht mehr kennt! Während ich noch verwirrt schwieg und überlegte, was ich sagen sollte, fragte er: "Kennen Sie meine Tochter? Die Brigitte?" - "Ähm- ja, die kenne ich..." - "Das ist eine ganz Schlimme, wissen Sie. Die ist immer so von oben herab, eiskalt, kommandiert mich ständig rum... gerade war sie noch da!"
Es entspann sich ein Gespräch, in dem ich versuchte, mitzuspielen, ohne geradezu lügen zu müssen. Es war aber gar nicht so schwierig, es hatte wirklich was von einem Spiel, obwohl mein Vater es sichtlich ganz ernst nahm. Die vorherige Aufregung war ganz weg, auch ich war erleichtert und froh über die Rolle, die er mir so unverhofft zugedacht hatte. Wir saßen nebeneinander auf dem Sofa, er war sehr zutraulich und lieb und erzählte mir aus seinem Leben. Freute sich, als ich auf seine Frage antwortete, dass ich seine Frau gut gekannt habe. Er ging bald zum Du über, was es mir leichter machte. Schließlich die Frage, wo ich denn wohne? - "Ich... also ich wohne hier im Haus." Große Verwunderung: "Wenn man das früher gewusst hätte - da hätte man ja alles mögliche zusammen machen können... Das ist aber schade!"
Schließlich wurde er müde und wollte sich hinlegen. Als ich ihn zum Bett begleitete, drehte er sich plötzlich zu mir um und sagte: "Wo ist sie denn hin?" - "Wer denn, Papa?" - "Na, die - die gerade hier war - hast du sie nicht gesehen?" - "Mhmm - nein, ich glaube nicht...". Er schaute sich im Zimmer um und rief: "Rosa! Roosaa - jetzt ist sie nicht mehr da!" - Ich, ehrlich überrascht: "Ach, Rosa heißt sie?" Er nickte. Ich sagte: "Die kommt bestimmt mal wieder." Dann legte er sich hin und schlief ein.
Und ich, ich war wie - verzaubert. Ich konnte nur staunen: Wie er uns aus der verfahrenen Situation herausgeholt hatte, bestimmt ganz unbewusst, aber mit traumwandlerischer Sicherheit. Wie er es fertiggebracht hatte, mich so zu "verwandeln", dass er mich wieder mögen konnte. Mehr noch: Er hatte mir gezeigt, wie er mich brauchte. Er hatte mir beigebracht, wie man mit ihm umgehen muss. Er hatte mich gelehrt, was wirklich wichtig ist, nämlich dass ich ihn so sein lasse, wie er jetzt nun mal ist, und nicht versuche, ihn zu belehren über eine Welt, die ihm fremd geworden ist.



Und nun versuche ich eben, etwas mehr "Rosa" zu werden. Sie gefällt mir gut, muss ich sagen! Brigitte spricht schnell und bewegt sich rasch - Rosa redet ziemlich langsam und  fast ein bisschen fragend, und ihre Bewegungen sind ruhig und sachte. Die "Hoppla-jetzt komm-ich" - Art, welche Brigitte leider manchmal an sich hat, ist ihr ganz fremd. Wo Brigitte in gewissen Situationen hektisch ruft: "Neiiin, Papa, doch nicht hier!!!", bleibt Rosa ganz gelassen und holt den Wischlappen. Und anstatt irrationale Aussagen zu kommentieren, macht sie oft nur "mmmhhh..." oder "aha!" oder "o je!".
Das Beste ist, dass ich mich gar nicht so sehr verstellen muss, um "Rosa" zu sein. Sie ist ja eigentlich schon in mir drin, ich muss ihr nur öfter die Führung überlassen. Sie tut mir gut, die Rosa, und ich betrachte sie mittlerweile als ein sehr gelungenes Geschenk meines Vaters - auch wenn er sie inzwischen schon wieder vergessen hat. 

Sonntag, 10. April 2016

Sonntagsfreuden: Zirkus!








Fast vorbei ist er schon, der Sonntag, aber über diese Freude konnte ich nicht früher berichten, denn es war eine Sonntagabendfreude - und was für eine!
Zur Zeit gastiert der Zirkus Roncalli in unserer Stadt. Da weder Mann noch Sohn große Zirkusfans sind, wäre ich wohl nicht alleine hingegangen (ich gehe gerne in den Zirkus, aber am liebsten mit Kindern dabei).
Nun arbeite ich seit einiger Zeit ehrenamtlich bei einer Gruppe des Freundeskreises Asyl mit. Wir betreuen an zwei Nachmittagen in der Woche Kinder aus irakischen Flüchtlingsfamilien und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Vor zwei Tagen rief mich eine Mitbetreuerin an und fragte, ob ich am Sonntag Abend Zeit hätte, mit in den Zirkus zu gehen. Sie hatte Freikarten für die ganze Gruppe bekommen und trommelte nun einige HelferInnen zusammen.
So marschierten wir also heute um fünf mit einer buntgemischten Gruppe aus fünfundzwanzig größeren und kleineren Kindern und ein paar Vätern los Richtung Zirkus, immerhin drei Kilometer quer durch die Stadt. Und es war für alle ein Riesenerlebnis, auch für uns Einheimische, denn keiner von uns war je im Roncalli gewesen. Es gibt vielleicht Zirkusse mit einer größeren Dichte an atemberaubenden Sensationen, gefährlichen Drahtseil- oder Trapezakten oder exotischen Tieren (von denen gab es hier dankenswerterweise gar keine). Aber ich kenne keinen mit so viel freundlicher Wärme, fantasievoller Inszenierung, mit so viel Humor und Poesie. Man durfte natürlich nicht fotografieren, darum beschreibe ich euch den allerersten Anfang des Programms: leise Musik, gedämpftes bläuliches Licht und wabernder Bühnennebel - und dann kommt im leichten Galopp ein wunderschöner Schimmel herein, ganz allein, ohne jedes Zaumzeug, und bewegt sich auf anmutigste Art frei durch die Manege. Es war traumhaft schön. Statt Elefanten und Tigern sah man Pferdedressur und eine muntere Hundetruppe. Und mein ganz persönlicher Lieblingsact war ein dünner, schüchterner, storchenbeiniger junger Mann mit strubbeligen Stehhaaren, der Blockflöte spielte und im Laufe der Zeit immer mehr davon aus seinen Hosentaschen zog und an Mund und Nasenlöchern ansetzte, bis er schließlich fünfstimmig Mozarts Kleine Nachtmusik spielte... unglaublich virtuos und dabei hinreißend komisch!
Ach, es war toll! Und danach sind wir dann wieder nach Hause gelaufen, und selbst die Kleinsten marschierten müde, aber glücklich, klaglos eine dreiviertel Stunde zurück.


"Können wir nicht morgen gleich noch mal in den Zirkus gehen?" (Suham, 14)

Verlinkt mit den Sonntagsfreuden auf Ritas Blog "Mit Herz und Hand"

Freitag, 15. Januar 2016

Geschenkt!

"Welcher Schenk-Typ sind Sie?" könnte einer dieser Persönlichkeits-Tests aus einer dieser Wartezimmerzeitschriften lauten. Tatsächlich, ich denke, es gibt wirklich bei vielen Menschen einen Hang zu einem ganz bestimmten Schenk-Stil. Schon bei Kindern kann man das feststellen, sobald sie aus dem Kindergartenalter raus sind und keine unter Anleitung angefertigten Basteleien mehr mit nach Hause bringen. 
Die einen haben die Nase voll vom Basteln oder sind zu selbstkritisch, um eigene Werke als schenkwürdig einzuschätzen. Wozu gibt es (Taschen-)Geld? Man geht in einen Laden und kauft was Feines, der Papa mag dies, die Mama das: fertig! Das ist der unkomplizierte Typ.
Ein anderer lehnt DIY ebenfalls ab, möchte aber auch nicht einfach nur "Gegenstände" kaufen. Aber was dann??? Er zermartert sich eine Zeitlang das Hirn, ist mit keiner Idee und keinem Vorschlag zufrieden und beschließt endlich, dass nichtgegenständliche Geschenke das Beste sind. Erleichtert lädt er einen ins Kino ein und hat damit ein Stück gemeinsames Erlebnis verschenkt: eine feine Sache!
Und dann ist da der Tüftler- und Handwerkertyp, der weiterhin Selbstgebasteltes verschenkt,  jetzt aber nach eigenen Entwürfen oder nach Anleitungen aus dem Internet. Bei entsprechender handwerklicher Begabung können da erstaunliche Dinge entstehen.
Ich habe in meinen großen Jungs alle drei Schenktypen beisammen. Wobei ich sagen muss, dass Typ 1 (was kaufen) in unserem Falle äußerst fantasievoll zu Werke geht und sich jedes Weihnachten etwas Lustiges dazu einfallen lässt. Er besorgt auf dem Weihnachtsmarkt oder im Weltladen ein Sortiment edler Leckereien (Mangoessig, Pralinen, feine Tees etc.) und denkt sich ein Spiel oder ein Quiz oder etwas Ähnliches aus. Wer punktet, darf sich ein Geschenk aussuchen. Das ist immer wie ein Extrageschenk für die ganze Familie, ein fröhlich-spielerisches Heiligabend-Highlight!
Die Kino-Einladung von Typ 2 galt der ganzen Familie (außer dem Vater, der diese Art Filme weniger schätzt, er bekam was anderes), und so kam ich in den Genuss der neuesten "Star Wars"-Episode in 3D, die ich mir alleine vielleicht nicht angeschaut hätte, die ich aber in Gesellschaft meiner drei jungen Männer in vollen Zügen genossen habe.
Typ drei schließlich kam am 22. nach Hause, verbrachte den folgenden Tag in Opas Werkstatt im Keller und überraschte uns an Heiligabend mit einem einzigen, großen und schön gearbeiteten Geschenk für die ganze Familie: einem Tisch-Boccia-Spiel, das noch am selben Abend eingeweiht wurde (funktioniert wie hier sehr gut mit Pokerchips) und uns allen viel Spaß machte.




Und weil ich nun schon dabei bin, zeige ich hier noch zwei Werke des geschickten Gelegenheitshandwerkers:


Zum Geburtstag bekam ich ein Küchenmesser, hergestellt aus einem alten Sägeblatt (auf dem unteren Bild gut zu erkennen) und einem Stückchen Holz aus Opas Vorräten. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass man Messer einfach so selber machen kann... Jedenfalls ist es mein absolutes Lieblingsmesser, nicht nur wegen des Produzenten, sondern auch weil es schmal und lang ist, wunderbar in der Hand liegt und schön scharf ist (da nicht rostfrei). Ideal zum Zwiebelschneiden. Ich hüte es wie meinen Augapfel und verstecke es meist ein bisschen, damit es nicht versehentlich von unaufmerksamen Familienmitgliedern nass liegengelassen oder gar in die Spülmaschine gesteckt wird... MEIN Messer!!
 

Ganz nebenbei entstand als kleine Zugabe noch ein schön geformter Brieföffner:
 

Was für ein Schenk-Typ ich selber bin? Hmmm - ich denke, von allem etwas... je nach Empfänger, verfügbarer Zeit und verfügbaren Ideen...    ;-)      Und ihr?

Sonntag, 27. Dezember 2015

Wärme (nicht nur) für den Hals

Lieber Besuch war heute hier: meine Schwester mit ihrem Mann und den beiden Töchtern, die im gleichen Alter sind wie meine drei Jungs. Zusammen mit meinem Vater (dem einzigen noch lebenden Großelternteil) war also die ganze engere Familie versammelt: ein selten gewordenes Ereignis und auch deshalb ganz besonders herzerwärmend.
Noch herzwärmer wurde das Ganze durch den neuesten Familienzuwachs, einen kleinen, knuffigen Labradorwelpen, der vor kurzem bei meiner Nichte eingezogen ist.


                 High five!    :-)


Als Weihnachtsgeschenk für meine Schwester und die beiden Mädels hatte ich mir etwas Praktisches und Schmückendes mit Erinnerungswert ausgedacht: In meinen Stoffvorräten befinden sich viele ausgediente Kleidungsstücke, darunter auch etliche hübsche Nachthemden meiner Mutter (sie schlief sommers wie winters nur in Nachthemden und hatte eine reichliche Auswahl davon). Aus einigen dieser Stoffe nähte ich nun einfache Schlauchschals mit je einer gemusterten und einer einfarbigen Seite.


Meine Schwester hat sich gefreut, und auch die jungen Damen schlangen sich gerne ein Stück von ihrer geliebten Oma um den Hals - ein Dufthauch von Omas Waschmittel weckte Erinnerungen: Die riechen ein bisschen nach Oma!
 


Kleine Hals- und Herzwärmerchen...

Samstag, 26. Dezember 2015

Manchmal...

...ja, manchmal werden Wünsche erfüllt, noch bevor sie einem selbst recht bewusst werden. Zum Beispiel so:
Im Advent kam ein Päckchen von einer lieben Blog-Freundin an, mit dem Vermerk: "Bitte erst an Weihnachten öffnen!"
Klar doch! 
Auch wenn ich sehr gespannt war, was da wohl drin sein mochte - klappern tat es jedenfalls nicht beim Schütteln...    ;-)

An Heiligabend ist erst mal volles Weihnachtsprogramm: Krippenspiel der Kinderkirche (ich bin Mit-"Regisseurin"), Chorgesang in einem zweiten Gottesdienst (da singe ich mit), Abendessen zu Hause, Feiern und Spielen im Familienkreis, um zehn noch Orgeldienst in der nächtlichen Christmette in einer schönen alten Kirche. Um elf komme ich heim, ganz erfüllt von Weihnachtsglanz und -klängen, aber auch etwas erschöpft und mit der Vorfreude auf noch eine ruhige Stunde vor Mitternacht, mit ein paar Weihnachtsgutsle und einer Tasse vom Lieblingstee (leider habe ich vergessen, Nachschub zu besorgen, aber zwei, drei Beutel müssten noch da sein...).
Und dann das:


Tee genug, aber nicht der, den ich jetzt gerade brauche. Den haben meine Jungs in der Zwischenzeit getrunken (es sei ihnen ja gegönnt). Während ich noch überlege, worauf ich denn nun am zweitmeisten Lust hätte, fällt mein Blick auf das noch unausgepackte Päckchen, das ich mir für nach dem Familientrubel aufgehoben hatte. Jetzt habe ich Ruhe dafür. Ich öffne es - und heraus kommt dies:


Mein allerliebster, allerbester Leib- und Seelenwärmertee! Mit einigen lieben Zeilen und in einer Menge, welche uns nicht nur über die Feiertage, sondern auf längere Sicht vor Mangelerscheinungen bewahren wird! Was für eine Weihnachtsüberraschung... und was für ein wundersam weihnachtliches Timing!   :-)
Bald duftet er in meiner Tasse -



 Aaaahhh.........................

Ganz herzlichen Dank, liebe(s)  Pünktchen! Dein Geschenk hätte schwerlich passender sein können!      :-)

Euch allen friedliche, heitere Weihnachtstage - und immer eine gute Tasse Tee, wenn ihr sie gerade braucht!

Donnerstag, 19. März 2015

Hoch hinaus

Ich mag Zimmerpflanzen. Sehr. Eigentlich.
Aber ich habe ein Problem mit dem Gießen. Oder vielmehr mir dem Drandenken. Dann steht mein Mann abends vom Sofa auf und sagt: "Diese Pflanze sieht soo traurig aus - wann hast du die zum letzten Mal gegossen?" Und während er die Gießkanne holt und die arme traurige Pflanze mit Wasser versorgt, stottere ich etwas von "...äähhhmm - war doch erst vor drei Tagen... oder so...". Tja, und deshalb haben bei mir schon immer nur solche Zimmergewächse überlebt, die es mit der Wasserversorgung nicht so genau nehmen und auch mal eine Woche Trockenheit überstehen.
Kakteen zum Beispiel.


  
Allerdings nur die kleineren Arten, denn große Kakteen sind mir einfach zu unhandlich. Einmal beim Staubsaugen nicht aufgepasst und nur kurz dran vorbeigestreift, und schon ist man für den Rest des Tages mit dem Rauspinzettieren feinster Stächelchen beschäftigt. Zum Glück wachsen sie ja langsam, so hat man lange kein Problem damit.

 
















Die meisten jedenfalls. Einer dieser Hungerkünstler hat es aber auch bei spärlichster Pflege, ungedüngt und in jahrelang der gleichen Erde geschafft, zu stattlicher Höhe heranzuwachsen. Dieser Riese hat eine besondere Geschichte: mein Jüngster, damals Drittklässler, brachte ihn einst als kleines Kaktusbaby aus der Schule mit. Seine Lehrerin, eine originelle und ideenreiche Frau, hatte auf dem Wertstoffhof im Grüngut-Container ein großes, weggeworfenes Exemplar dieser Pflanze gefunden, die Bruchstücke eingesammelt und eingetopft und sie dann ihren Schülern mitgebracht. Erst schmückten sie das Klassenzimmer, und am Ende des Schuljahres durfte jeder seinen kleinen Kaktus mit nach Hause nehmen.


Der Knabe ist nun siebzehn und mir längst über den Kopf gewachsen, aber der Kaktus war schneller: er hatte seit einiger Zeit die Zimmerdecke erreicht und begann sich Richtung Fenster zu bewegen. Nachdem ich dem Besitzer versprochen hatte, ganz vorsichtig zu sein, kam das grüne Hochgewächs also unters Messer. Nun hat es wieder dreißig Zentimeter Luft bis zur nächsten Schur.














Und wir jede Menge Ableger für neue Riesen... :-)                                    

Freitag, 6. März 2015

anstatt...*



Eigentlich sollte der nächste Eintrag hier ja mein neuestes Strickstück zeigen - seit langem mal wieder ein größeres: eine dicke, warme, etwas längere Jacke für draußen, aber wie es so ist: je näher ich der Vollendung komme, desto langsamer geht es vorwärts... man denkt immer: nur noch die Ärmel - aber gerade die scheinen dann endlos breit und lang zu sein.










Anstatt Jacke führe ich euch also erstmal ein paar Kleinigkeiten vor, die während meiner Reha-Wochen entstanden sind. Ich habe da einiges für unseren Gemeindebasar gestrickt, Schals und Kindermützen, was mir viel Spaß gemacht hat. Das meiste habe ich leider nicht fotografiert, aber von diesen beiden einfachen Turbo-Schnellstrick-Loops (dicke Wolle, 8er-Nadeln und in jeder zweiten Hinreihe doppelt rumgewickelte Maschen) gibt's Bilder:

       
          

Und von diesem, eigentlich auch äußerst simpel gestrickten, Teil ebenfalls: 


Und falls jetzt jemand denkt, ich hätte einen Knopf vergessen oder ein Knopfloch zuviel gemacht: dem ist nicht so! Die Idee war eigentlich, den Loop mit Knöpfen zu versehen, damit man ihn einfach oder, verdreht zugeknöpft, auch als Möbius tragen könnte. Aber nachdem der zweite Knopf angenäht war, packte mich die Neugier, was man wohl damit anfangen und auf wie viele verschiedene Arten man so ein Teil tragen kann. Ich kam auf fünf, die beiden einfachsten Möglichkeiten nicht mitgezählt:
 
 












                                                                                            








Wie man sieht, ist ein dritter Knopf hier vollkommen überflüssig und würde nur stören!   :-)


Zum Schluss noch ein etwas merkwürdiges Exemplar, auf merkwürdige Weise aus sehr merkwürdigem Garn entstanden. Ich hatte nämlich irgendwann einmal zwei Knäueln eines glitzrigen bunten Materials nicht widerstehen können, von dem mir die Wollladenverkäuferin versicherte, man könne dies wirklich stricken, mit ganz dicken Nadeln, und es sich schmückend um den Hals hängen.


Mir fiel spontan eine Freundin ein, die gerne pfiffigen Modeschmuck trägt, und so suchte ich meine dicksten Besenstiele Nadeln heraus und strickte eine ellenlange Kreuzung zwischen schmalem Schal und Halskette aus dem Glitzerzeug, was ein ziemliches Gewürge war, aber am Ende recht originell aussah (und ihr zum Glück auch gefiel). Von diesem Projekt hatte ich noch ein Probeläppchen herumliegen, auch übriges Garn, und so probierte ich eine Weile herum. Heraus kam eine Art gestricktes Collier...


                                 ...das ich selber, offen gesagt, nicht tragen würde, aber da es nun schon da war, wanderte es auch in die Basar-Schachtel und hat anscheinend irgendjemandem gut genug gefallen, um gekauft zu werden.

P.S.Tragen würde ich es nicht, aber als Headerfoto macht es sich recht schmuck, finde ich...   ;-)

P.S.2 *Posttitel geklaut inspiriert durch ein wunderbares anstatt völlig anderer Art, heute bei Stefanie Rabenschlag: ein traumhaftes Bild!