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Freitag, 1. Januar 2016

Was wird...?


Ein Streifen Heideland
Ein Stück Mauer
Sträucher und hohes Gras, ein paar Blumen
Kein Weg, aber gangbarer Boden.
Man kann nicht weit sehen.
Wolken türmen sich auf
Über der Mauer ein Stück blauer Himmel
Ein Regenbogen.
Der Weg entsteht im Gehen
Schritt um Schritt.
Ich atme 
Ein
Aus

Ich gehe
JETZT.

Montag, 23. Februar 2015

Ohne Dach überm Kopf...

 

Vor einiger Zeit habe ich euch eingeladen, meinen Sohn und seinen Freund per Blog auf ihrem "crossmedialen Trip" durch die USA zu begleiten. Die beiden machen auf diese besondere Weise ihr Auslandspraktikum, bloggen, twittern und facebooken über ihre Erlebnisse, zeigen wirklich gute Fotos und lassen ihre Leser jede Woche Vorschläge für eine Wochenaufgabe machen und darüber abstimmen. So haben sie z.B. einen Wettlauf durch Los Angeles oder (in San Francisco) Tauschgeschäfte in Chinatown gemacht, sie haben halb Phoenix umarmt und in Chicago Rosen verschenkt. 
Eine etwas ernstere Aufgabe, die sie sich selbst vorgenommen hatten, war das Thema Obdachlosigkeit. Keine leichte Sache für junge angehende Journalisten, zumal wenn man in jeder Stadt, die man besucht, nur wenige Tage Zeit hat. Leute, die auf der Straße leben, anzusprechen, ihr Vertrauen soweit zu gewinnen, dass sie einem etwas von sich erzählen, sie womöglich dabei auch noch zu filmen - nach dem ersten Versuch in dieser Richtung war ihnen bewusst geworden, dass sie diesem Thema wohl nicht wirklich gerecht werden können. 
Nun hatten sie für die vergangene Woche in New York von ihrer Leserschaft die Aufgabe bekommen, heißen Tee und Kakao an "frierende Leute" zu verteilen. Und dabei entwickelte sich, für die beiden Reporter wohl auch etwas überraschend, eine ganz intensive Sache, die ich gerne hier im Blog teilen möchte. Schaut und hört es euch an, wenn es euch interessiert:   
Ein Winterabend im Big Apple.

 

(Fotos: trip-us.jimdo.com)

Mittwoch, 11. Juli 2012

Alte Briefe

   Vor kurzem bekam ich Post von einer Tante: ein dicker Umschlag mit Kopien von Briefen vom Anfang des letzten Jahrhunderts bis in die 20er-Jahre, geschrieben von ihrem Ur- (also meinem Urur-)großvater, seiner Tochter und deren Töchtern (deren eine also meine Großmutter war).
Meine Tante hatte die Briefe für ihre Kinder und Nichten in heutige Druckschrift "übersetzt", aber ich stellte fest, dass ich die alte deutsche Schrift, wenn sie so schön und klar geschrieben ist, recht gut lesen konnte. Man spürt förmlich, wie langsam und bedächtig die Buchstaben mit Tinte und Feder gemalt wurden.


   Es hat mir unglaublich Freude gemacht, diese Briefe zu lesen. Obwohl - oder gerade weil - gar nichts Weltbewegendes drinstand. Es sind ganz alltägliche Begebenheiten, Nachrichten aus dem Familienleben, die man sich damals eben per Brief mitteilte, so zwei- bis dreimal pro Monat mindestens. Zum Beispiel (vom 73-jährigen Ururgroßvater, der ein Bauer war, im Jahre 1900):
"Mit dem Obst haben wir die beste Aussicht. Der Frost hat scheint's nichts geschadet, es hat alles so schön geblüht, dass man sich gar nicht sattsehen konnte." Oder (von demselben): "Das Essen und Trinken ging jetzt auch soweit wieder, aber schon ein paarmal bekam ich das Übel wieder in meinen Magen und Schmerzen, dass ich ein paar Tag darob zu leiden habe und wieder geschwächt werde und bangen Herzens etwas genieße. So muss ich eben jetzt wieder DASEIN und den Kampf mit demselben wieder weiterführen, nur ist das mein Trost, dass es bei meinem Alter nicht mehr lang dauern wird, wo mein Lebensschifflein durch Gottes Gnad und Christi Blut in den Hafen des ewigen Friedens einlaufen darf."

  Schön, oder? Ich lese sowas so gerne. Der Alltag mit seinen Freuden und Leiden wird zur Sprache gebracht, mitgeteilt, gewürdigt (in manchem ist er dem unseren gar nicht so unähnlich...). Und man darf sich auf eine Antwort freuen.

  (Versuchen wir nicht mit dem Blogschreiben teilweise etwas ganz Ähnliches - mit den Kommunikationsmitteln unserer Zeit? Darüber muss ich mal nachdenken...).