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Mittwoch, 2. August 2017

Flügge







Übers Wochenende war ich weg, und als ich am Sonntag zurückkam, waren sie ausgeflogen: die Jungen von Familie Falke nebenan. Mein Mann erzählte mir, wie die Falkenmama mit ihren drei Sprösslingen im Schlepptau vom Nistbaum aufs gegenüberliegende Hausdach geflogen war und wie die Jungen bei den ersten Landeversuchen erst einmal auf dem Dach herumpurzelten, bis sie sicher auf dem First saßen. Jetzt flattern sie in der Gegend herum, hocken auf Tannenbäumen und Dachgiebeln, und man hört von allen Seiten immer wieder ihr hohes "hi-hi-hi-hi-hi", mit dem sie nach den Eltern rufen, die sie noch eine Weile mit Futter versorgen werden, bis es dann ans eigene Jagen geht.

Freitag, 21. Juli 2017

Nestnachbarn




Überall in den Gärten ringsum hört man in diesen Sommerwochen Vogellaute unterschiedlichster Art, es piept und zwitschert, gurrt und krächzt, pfeift und keckert, dass es eine Freude ist. Seit einiger Zeit schon waren neue Töne dabei - vor allem laute, schnelle, scharfe Rufe, die ich anfangs mehr am Rande wahrnahm und auf die ich erst richtig aufmerksam wurde, als mein Mann sagte, er habe einen der Greifvögel, die seit einiger Zeit in der Gegend sind, beobachtet, wie er, hoch oben auf einem Fenstersims sitzend, eine Maus verspeiste. Ihm waren die neuen Nachbarn viel früher aufgefallen als mir, sie haben Lieblingsrastplätze auf dem Hochhaus am Anfang der Straße.
Aufmerksam geworden, schaute auch ich immer wieder nach ihnen aus, und schließlich entdeckte ich das Nest mit den Jungen - überraschenderweise ganz in unserer Nähe, nämlich auf der Fichte im Nachbargarten, ganz hoch oben. Es sind drei dicke, hell-graubraune, plusterige Jungvögel, die meist still in dem recht fragil wirkenden Horst hocken und nur manchmal ein wenig herumrutschen. Wenn einer der Elternvögel mit Futter herbeirauscht, gibt es kurz einiges Geschrei und Unruhe, dann wird weiter gewartet. 
Leider, leider verfüge ich nicht über ein ordentliches Teleobjektiv, das die geschätzt 50 Meter Luftlinie bewältigen könnte (steht auf der Wunschliste, aber anderes war bisher wichtiger). Diese stark vergrößerten Ausschnitte sind das Beste, was ich bisher hinbekommen habe. 
Und wir haben natürlich ein bisschen recherchiert, was für eine Art Greifvögel das sein könnten, sind uns aber nicht sicher. Ich tippe auf Sperber, aber ich konnte die Altvögel bis jetzt nicht gut genug beobachten; man bräuchte viel Zeit und Geduld, denn sie warten immer ewig ab, bis dann wieder mal einer ans Nest flitzt. Ich habe es erst zweimal gesehen (und einmal mit der Kamera erwischt, unteres Bild). Nun bin ich sehr gespannt, ob wir es mitbekommen, wenn die Jungen das Nest verlassen!

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Am Morgen hab ich einen der Altvögel beim Anflug aufs Nest erwischt. Zum Frühstück gab's eine Maus für die Jungen.
Hat irgendjemand eine Idee, um welche Art es sich handeln könnte?


Sonntag, 26. Juli 2015

Adieu, kleiner Franzl...

Das Leben schreibt viele Geschichten, jeden Tag neue. Manche sind heiter, lustig oder einfach schön. Andere sind ernst oder wecken gar traurige Gefühle. Und manche sind wie eine Achterbahn. Da hat einer Glück im Unglück, großes Glück sogar - und am Ende gibt es dann doch kein happy end. 
Damit sich jetzt niemand zu sehr beunruhigt, sage ich es gleich: Diese Geschichte handelt nicht von einem Menschen, sondern von einem Vogel. Einem Star, genauer gesagt. 


Der jüngste Sohn, der eine Ausbildung als Tierarztassistent macht und eben sein erstes Lehrjahr hinter sich hat, brachte ihn am Freitag in einer Pappschachtel von der Arbeit mit nach Hause. Es war ein Starenkind, noch nicht ganz flügge, und es hieß Franzl. Eine Katze hatte es erwischt und ihren Leuten als lebendes "Geschenk" verehrt. Dabei muss sie erstaunlich vorsichtig gewesen sein, denn außer ein wenig Blut neben dem Flügel hatte das Vogeljunge keine sichtbaren Verletzungen. Der Katzenbesitzer brachte es sofort zur Tierärztin, und nach erfolgter Erstversorgung bekam es der Azubi übers Wochenende mit nach Hause und durfte versuchen, es aufzupäppeln.


Er war mit Eifer und Geschick bei der Sache und fütterte das Starenkind alle zwei Stunden mit Delikatessen wie Mehlwürmern, getrockneten Heimchen, Bananenbröckchen und Rosinen. Das größte Problem dabei war, dass das Vogeljunge nicht von selber den Schnabel aufsperren wollte. Dieser Reflex fehlte ihm völlig bzw. war ihm abhanden gekommen. Man musste also immer behutsam das Schnäbelchen öffnen, etwas Futter hineinstecken und dann dem Patienten gut zureden, damit er es auch brav hinunterschluckte. Gleichzeitig galt es, das zarte Geschöpf sanft, aber bestimmt festzuhalten, denn es strampelte immer wieder erstaunlich kräftig mit den Beinchen. Für mich war es etwas ganz Neues und Besonderes, meinem Buben bei einer solchen Arbeit zuzuschauen - es hat mich, ehrlich gesagt, sehr berührt und froh gemacht zu sehen, mit welchem Geschick und mit welcher Freude er das machte.





Dem Kleinen schien es auch ganz gut zu gehen, sein Tschilpen klang zunehmend kräftiger und er machte insgesamt einen recht gesunden Eindruck - nur den Schnabel wollte er auch am zweiten Tag nicht aufmachen.
Und als dann der junge Vogel-Pflegevater wieder einmal nach ihm schaute, lag er ganz still auf der Seite, gab keinen Laut mehr von sich und war auch nicht mehr auf die Beine zu bringen. Eine halbe Stunde später war er tot.


Kleiner Franzl, wir wissen, dass viele, viele Vogeljunge wie du ihre ersten Wochen nicht überleben. Die Natur ist so, und wir nehmen an, dass es so, wie es ist, wohl gut sein muss, auch wenn wir es nicht immer verstehen. Aber um dich haben wir getrauert, weil wir dich ein kleines bisschen kennenlernen durften und uns so sehr gefreut hätten, wenn du groß und stark geworden und in ein, zwei Wochen fröhlich in die Welt hinaus geflattert wärest.  Wir haben dich im Rosenbeet begraben und werden uns, wenn wir unsere Nasen in die Rosenblüten stecken, bestimmt immer wieder an dich erinnern.

Donnerstag, 17. Juli 2014

orthographisch einerlei




Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
Ich laß sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Sofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

                                                                    Christian Morgenstern

(Ob man sie nun mit einem oder mit zwei m schreibt, dürfte dieser Möwe im Stralsunder Hafen ziemlich egal sein...)

Mittwoch, 30. April 2014

...ein Wunder vor meinen Augen...


Vom "Tag der zahmen Libellen" habe ich hier vor zwei Tagen berichtet und eine Fortsetzung angekündigt. Nun will ich euch verraten, was ich noch Schönes erlebt habe an diesem Tag.

                                                       
Die Libellen, die so regungslos an den 
Blättern der Sumpfiris saßen, waren 
ganz augenscheinlich erst vor kurzem ausgeschlüpft. Die leeren Larvenhüllen hingen noch jeweils unterhalb ihrer vormaligen Bewohnerinnen in mancherlei bizarren Formen und mit einem Loch im Rücken, aus dem weiße Fäden wie eine Art Nabelschnur heraushingen. Ich bedauerte es natürlich sehr, dass ich diese Verwandlung nicht mitbekommen hatte, denn so etwas hatte ich noch nie gesehen.
                                                                                        

Plötzlich bemerkte ich ein schwarzes käferartiges Tier, das aus dem Wasser kam und sich eben anschickte, an einem Blatt hochzuklettern. Ich wurde ganz aufgeregt: das musste so eine Libellenlarve sein, die vorhatte, sich demnächst zu entpuppen!

                               
Jetzt war klar: diesen Vormittag musste ich hier draußen verbringen! Ich wusste ja nicht, wie lange es dauern würde, bis sich etwas tat. Aber den Moment wollte ich auf keinen Fall versäumen. Also richtete ich mich wie ein richtiger Tierfotograf auf eine längere Wartezeit ein und holte mir eine Jacke und eine warme Unterlage, denn es war kühl und regnerisch und die Libellenlarve saß an einer Stelle, an die man mit der Kamera nur bäuchlings über dem Wasser liegend herankam. (Mein Mann fand die Aktion ähnlich fotogen wie ich die Libellen...  :-))

Etwa eine Stunde lang lag ich da, die Kamera im Anschlag und die braune Gestalt im Blick. Und dann geschah innerhalb von fünfzehn Minuten folgendes: 

         

























Ja, und da hing nun die "neugeborene" Libelle kopfüber und schien sich ganz langsam von innen her aufzuplustern. Sie war ja in der engen Hülle unwahrscheinlich komprimiert verpackt gewesen. Nun "wuchs" sie zusehends, und Körper und Beine bekamen allmählich Farbe. Dafür ließ sie sich wieder viel Zeit. Ich hing ebenfalls ziemlich unbequem und halb im Wasser (das Ganze spielte sich nur zehn Zentimeter über der Wasseroberfläche ab), meine Haare und ein Ärmel waren nass und so war ich gezwungen, meinen Beobachtungsposten zu verlassen, um trockene Sachen anzuziehen. Ich beeilte mich und kam keine Minute zu früh zurück, denn plötzlich bog sich die halbgeschlüpfte Libelle nach oben, klammerte sich an der Larvenhülle fest und zog mit einem Schwups ihre andere Hälfte auch noch heraus.


Die nächste Dreiviertelstunde brauchte sie, um im Zeitlupentempo ihre Flügel zu entfalten. Es war faszinierend, beim Zuschauen auch das eigene Zeitempfinden kennenzulernen: die Bewegung war so langsam, dass ich sie nicht direkt wahrnehmen konnte. Aber alle paar Augenblicke merkte ich dann doch, dass die Flügel sich wieder ein bisschen verändert hatten, bis sie schließlich herunterhingen wie zarte, weiche Blütenblätter, die von jedem Windhauch bewegt wurden.






Bis zum Nachmittag war "meine" Libelle dann soweit "gereift"  (das klingt etwas merkwürdig, aber es erschien mir tatsächlich wie ein Reifungsprozess), dass sie ihre typische schwarz-goldene Färbung hatte und schließlich auch ihre Flügel ausbreitete. In dieser Haltung saß sie dann vermutlich noch die Nacht über da (vielleicht laufen während dieser Ruhezeit ja noch weitere, mehr innerliche Entwicklungsprozesse ab). Den Jungfernflug habe ich nicht mitbekommen, am nächsten Morgen war sie jedenfalls nicht mehr an ihrem alten Platz.
                                                                                          
  
Im Laufe des nächsten Tages haben noch weitere Libellen an unserem kleinen Teich die Metamorphose vom Wasser- und Schlammbewohner zu einem blitzschnellen geflügelten Räuber der Lüfte vollzogen. Heute war nicht mehr viel los, die meisten Libellen sind weggeflogen, einige saßen noch da. Und ich habe inzwischen auch herausbekommen, um welche Vertreterinnen der großen Familie es sich handelt: Es sind  Vierfleck-Segellibellen, die wie alle Libellenarten zu den bedrohten Spezies gehören, die sich aber doch recht gut halten können - nicht zuletzt dank solcher Gartenteiche wie des unsrigen. Ich schaue das kleine Gewässer seither mit neuen Augen an...

Montag, 28. April 2014

Neues vom Gartenteich

Ein bisschen gespannt war ich schon, als ich heute früh um halb sieben an den Gartenteich nachschauen ging: ob sie wohl noch da waren, die Libellen von gestern abend?


Ja, da waren sie: Recht kräftige, goldbraun schimmernde Flügelwesen, die immer noch wie festgeklebt an ihren Blättern hingen. Selbst wenn ich sie berührte, reagierten sie höchstens mit einem kurzen Zittern der Flügel oder einer kleinen Beinbewegung. Sie ließen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, auch wenn ich ihnen zentimeternah auf den Pelz rückte und sie aus allen Blickwinkeln fotografierte. Was ich denn auch ausgiebig tat.





Bei so einer Aktion passierte es wohl, dass ich eine der zugeknöpften Damen versehentlich mit dem Kopf streifte. Jedenfalls flatterte plötzlich etwas in meinen Haaren herum, und ich wischte instinktiv mit der Hand darüber. Zu spät merkte ich, dass es sich um eine Libelle handelte, und bevor ich es verhindern konnte, lag sie im Wasser.
Rasch fischte ich sie heraus, und sie blieb lange völlig ruhig auf meinem Finger sitzen. Ich konnte sie sogar von einer Hand auf die andere nehmen.



Das Spielen mit der Libelle machte mir Spaß. Ob ich sie wohl auch noch einmal dazu bringen konnte, sich in meinem Haar niederzulassen? Siehe da: kein Problem für meine zahme Libellenfreundin!


Hier als Beweis mein "Selfie mit Libelle". Nun,wie gefällt euch mein neuer Haarschmuck?   :-)  (Leider fand der Autofokus meine Augenfältchen interessanter als das Insekt...)




Bei so einer Beschäftigung kann man wirklich die Zeit vergessen. Glücklicherweise war der Tag - fast - völlig frei von Terminen. Und wer denkt schon an Bügelwäscheberge, Mittagessenseinkäufe, Telefonate oder des Übens harrende Notenhefte, wenn gerade der Tag der zahmen Libellen ist? Trotzdem sollte man denken, dass auch der leidenschaftlichste Fotograf nach einer guten Stunde alles im Kasten hat, was es an einem kleinen Gartenteich mit einem halben Dutzend Libellen zu knipsen gibt...




...sollte man, normalerweise. Warum ich an diesen Montag dennoch viele Stunden hier draußen verbracht habe, und warum sich mein Rücken und meine Arme jetzt anfühlen, als hätte ich den ganzen Garten umgegraben...


...das, meine Lieben, erzähle ich euch demnächst auch noch!