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Dienstag, 5. April 2016

Es grünt und sprosst...


...sowohl drinnen...
 
                                                                                             ......als auch draußen.




Der ganze Wald ist voll davon (könnt ihr es riechen?!).    :-)
Ob duftender Bärlauch oder anderes Grünkraut, es ist für mich die beste Medizin gegen Frühjahrsmüdigkeit. Innerlich wie äußerlich.
Von der "viriditas", der "Grünkraft" hat Hildegard von Bingen gesprochen. Sie meinte damit die allen Dingen und Lebewesen innewohnende Lebens- und Spannkraft. Und sie sprach auch von der "heiligen Grünkraft Gottes":
 "Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün." 

 







Hildegard sah diese Kraft nicht nur in (grünen) Pflanzen, sondern auch in Mineralien, in Tieren und Menschen. Es sind heilsame Kräfte, die auch unsere Selbstheilungskräfte anregen können.
"Es soll der Mensch hinausgehen auf eine grüne Wiese und sie so lange anschauen, bis seine Augen wie vom Weinen nass werden: Das Grün dieser Wiese nämlich beseitigt das Trübe in den Augen und macht sie wieder sauber und klar."
Nun, dazu haben wir ja jetzt im April und Mai Gelegenheit genug. Farbtherapie, die nichts kostet als ein bisschen Zeit und Gelassenheit und die Bereitschaft, sich einfach einmal für eine Weile in eine einzige Farbe zu vertiefen, die Augen sozusagen darin zu baden und alle Gefühle und Assoziationen, die mit dieser Farbe verbunden sind, auf sich wirken zu lassen.








Von dem schwäbischen Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-18629), der hier ganz in der Nähe, nämlich in Weinsberg, gelebt und gewirkt hat, stammt dieses Gedicht über das junge Grün:

 Erstes Grün


Du junges Grün, du frisches Gras!
Wie manches Herz durch dich genas,
Das von des Winters Schnee erkrankt,
Oh wie mein Herz nach dir verlangt!

Schon wächst du aus der Erde Nacht,
Wie dir mein Aug' entgegen lacht!
Hier in des Waldes stillem Grund
Drückt' ich dich, Grün, an Herz und Mund.

Wie treibt's mich von den Menschen fort!
Mein Leid, das hebt kein Menschenwort,
Nur junges Grün, ans Herz gelegt,
Macht, daß mein Herze stiller schlägt.

(In der Vertonung von Robert Schumann klingt es noch ein bisschen intensiver melancholisch - aber doch wunderschön...: hier).


Schließlich habe ich bei der Suche nach der "Grünkraft" auch noch einen mehr ins Politische gehenden Text von Kurt Marti gefunden, der zeitlos aktuell ist und den ich euch nicht vorenthalten will:



BITTE

heilige grünkraft
(der gottheit unauffällig 
schöne gespielin)
sprenge den beton
in unseren köpfen,

sprenge den beton
in unserem land!



In diesem Sinne: Öffnen wir uns all dem Grünkräftigen um und in uns, lassen wir es sprießen, wachsen und grünen! Eine schöne Aprilwoche euch allen!   :-)



Freitag, 1. Januar 2016

Was wird...?


Ein Streifen Heideland
Ein Stück Mauer
Sträucher und hohes Gras, ein paar Blumen
Kein Weg, aber gangbarer Boden.
Man kann nicht weit sehen.
Wolken türmen sich auf
Über der Mauer ein Stück blauer Himmel
Ein Regenbogen.
Der Weg entsteht im Gehen
Schritt um Schritt.
Ich atme 
Ein
Aus

Ich gehe
JETZT.

Freitag, 18. Dezember 2015

Bitte einen Moment Ruhe...


...denn ohne die stillen Momente, und seien sie noch so klein, geht es nicht.
Wie gut, wenn man Tannengrün, Kerzen und einen gehaltvollen Kalendertext als "Pausenbrot" hat.
Heute von Albert Einstein: 

Es gibt nur zwei Arten,
sein Leben zu leben:
Entweder so,
als gäbe es keine Wunder,
oder so,
als wäre alles ein Wunder.

Lasst es uns üben, täglich, das Wundern und Staunen. Auch dann - gerade dann - wenn man die Wunder ein bisschen mit der Lupe suchen muss...

Und dass dieser Text ausgerechnet von einem Physiker stammt, ist auch wunderbar und sagt etwas über die Beweggründe für seine wissenschaftliche Arbeit.


Sonntag, 14. April 2013

in heaven: Was bleibt -

Noch ein Himmel.  Für KATJA.  Auch wenn schon Sonntag ist...


Die Brücke

Bald werden wir alle sterben,
alles Andenken wird dann von der Erde geschwunden sein,
und wir selbst werden für eine kleine Weile
geliebt und dann vergessen werden.
Doch die Liebe wird genug gewesen sein! 
Alle diese Regungen von Liebe kehren zurück
zu der einen, die sie entstehen ließ.
Nicht einmal eines Erinnerns bedarf die Liebe.
Da ist ein Land der Lebenden
und ein Land der Toten,
und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe -
das einzig Bleibende, der einzige Sinn. 

Thornton Wilder 

(Zitiert aus: Jörg Zink: Was bleibt, stiften die Liebenden) 

Dienstag, 25. Dezember 2012

Besternt


"Da die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 
und gingen in das Haus..." (Matth. 2,10)

Weise Stern - Spiele

Da das Kind 
die Weisen sah,
wurde es hocherfreut,
lachte
und gab ihnen 
in ihre leergeschenkten Hände
den Stern - ein Stück Himmel.
 


Da der Stern 
die Weisen ankommen sah,
schweifte er ab,
froh, dass sein Auftrag
so glücklich vollendet war.
Seitdem sucht er
nach neuen Weisen.

Da die Weisen 
das Kind sahen,
gingen sie in das Haus
und hängten dort
den Stern auf.
Jetzt ist es im Haus
immer sternenklar.


Da das Kind
durch die Dachsparren
den Stern sah,
sagte es:
welch ein Haus!
Die Weisen
können kommen.

Da der Stern
das Kind sah,
fing er an zu funkeln
und zu schweifen,
bis auch die Unweisesten
den Weg in das Haus fanden.



Da die Weisen 
das Haus sahen,
das noch unbekannte Ziel,
gingen sie erst hinein,
als sie den Stern darüber erblickten.
So fanden sie ihr Kind.


Da das Kind
das arme Haus sah,
in dem es
zur Welt gekommen war,
hieß es den Stern
darüber stehen.
Seitdem kann man hier wohnen.



Da der Stern
das Haus sah, 
blieb er darüber stehen,
bis die Weisen der Welt sahen,
wo die wahre
Weisheit wohnt.

Da die Weisen
den Stern sahen,
suchten sie
das Kind
und siehe,
das Bettelbaby
wurde ihr Star.


Am Ende war alles
wieder wie zuvor:
leer der Himmel,
dunkel das Haus,
weit die Wege.
Aber in meinem Innern
blieb ich besternt.

(G.R.)
 



Mittwoch, 14. November 2012

Segen

Ein Bild, ein Text haben mich heute durch den Tag begleitet:

Christus und der schlafende Johannes (14.Jh.)
 
Johannes sagt immer wieder,
es komme darauf an, in der Liebe zu sein.
In der Liebe zu bleiben.

"Wer in der Liebe bleibt,
der bleibt in Gott und Gott in ihm."

So lehnt er auf vielen alten Bildern
den Kopf an die Schulter Jesu,
gibt ihm die Hand, gehört zu ihm,
schläft ein mit einem stillen, friedvollen Gesicht.

Etwas anderes als der Liebende, 
etwas anderes als der Geliebte
will er nicht mehr sein.

Wollen wir aber in Gott sein,
so nützt kein Gedanke.
Kein Höhenflug des Geistes.
Gott ist auf alle Fälle höher,
weiter, tiefer, größer.
Nur die Liebe ist es, die ihn berührt. 
Die Liebe, die dankbare,
des von ihm geliebten Menschen.

Wer das Ganze schaut,
wer mit Gott eins ist in der dankbaren  Gelassenheit,
der, so sagt die Bibel, ist der Segnende.

Segnen heißt Lebenskraft geben, Leben bejahen.
Heißt sagen: Lebe, wie du musst, und sei glücklich.
"Gott gebe dir vom Tau des Himmels
und von der Fettigkeit der Erde."

Segnen ist eine offene Hand, die gibt und nichts nimmt.
Segnen sagt: Ich sehe den Weg, den du gehst,
und bejahe ihn.
Möge dir die Kraft zufließen, 
die du brauchst.

Jörg Zink, aus: Was bleibt, stiften die Liebenden (Kreuz Verlag)(gekürzt)

(In Dankbarkeit für alle, die mir in diesem Sinne zum Segen geworden sind)