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Montag, 15. April 2019

Punkradieschen :)



Dieses haarige Kerlchen hatte ich heute abend auf meinem Teller - ganz schön scharfer Typ, nicht? 
Ich hab ihn nach seinem Friseur gefragt, aber er hat mich nur freundlich angegrinst...

Donnerstag, 6. September 2018

Anno-dazumal-Chic

In einem Schrank auf dem Dachboden bewahre ich noch einiges an alten Schätzen auf, das sich im Laufe der Jahrzehnte aus den Hinterlassenschaften meiner Vorfahrinnen angesammelt hat. Im Jahr nach unserem Einzug habe ich irgendwann mal einen Nachmittag damit verbracht, die Säcke mit Textilien verschiedenster Art und Qualität grob durchzusehen und Lumpiges, Vergilbtes oder sonstwie Unbrauchbares auszusortieren. Der Rest - z.B. Bett- und Tischwäsche, wie man sie früher als Aussteuer mit in die Ehe brachte - wanderte in Kartons und Schrankfächer. Von Zeit zu Zeit kruschtele ich ein bisschen darin herum, bewundere wunderbare alte, schwere Leinenstoffe, Bettücher mit sauberst gestopften kleinen Rissen oder Vorhangstoffe mit 50er-Jahre-Mustern und fördere dabei das ein oder andere interessante Stück zutage. Neulich fiel mir nun dieses goldige Kleidungsstück in die Hände:



Ein Blüschen aus einem einfachen weißen Baumwollstoff mit Ein-Knopf-Verschluss und wunderhübschen altmodischen Details:



Tagsüber kann das wohl kaum getragen worden sein, denn der eine Knopf ist ja doch ein bisschen wenig - obwohl, er sitzt genau an der richtigen Stelle... ;)
Ich habe es in den heißen Augustnächten als luftiges Oberteil zu meiner leichtesten Pyjamahose getragen und es war sehr angenehm.





Und noch ein Großmutter-Stück mit hohem Nostalgiefaktor fand sich im Wäscheschrank:
Dieses reizende - ja, was ist es eigentlich, Unterrock? Nachthemd? - jedenfalls habe ich mir die Mühe gemacht und es fotofein gebügelt, damit ihr es in all seiner liebevoll geschneiderten Pracht bewundern könnt. Die Schultern sind oben nicht zusammengenäht, sondern geknöpft, was mich vermuten lässt, dass es ein Unter- oder Nachthemd für eine stillende Mutter gewesen sein könnte - wer weiß...? 

(Hach, wie oft denke ich: dies oder das hätte ich jetzt gerne mal schnell meine Oma oder Mama gefragt!). 

Jetzt kommt mir allerdings der Gedanke, dass die beiden Teile wunderbar zusammenpassen, und ich stelle mir eine junge Mutter im Wochenbett vor, in einem heißen Sommer ähnlich wie diesem, die mit dem Blüschen überm Stillnachthemd im Bett liegt und so die Verwandten und Nachbarn empfängt... schön, gell?  :)



(Von diesem Teil gibts aber kein Tragefoto, das müsst ihr euch schon selber vorstellen...)  ;)

Mittwoch, 13. Dezember 2017

dreizehn

Ich sehe schwarz!
Nein, keine Bange, ich bin nicht unter die kategorischen Pessimisten gegangen (auch wenn ich manches in dieser Welt durchaus pessimistisch sehe...). Aber heute habe ich wirklich schwarzgesehen. Das kam so:
In unserer Stadt gibt es die "Aufbaugilde", eine diakonische Einrichtung, die Arbeitslose beschäftigt und unter anderem einen Tafelladen und einen großen Second-Hand-Markt betreibt. Dorthin brachte ich eine Ladung abgelegte Kleidungsstücke und anderes Guterhaltenes und nicht mehr Gebrauchtes. Und wo ich nun schon mal dort war, schaute ich noch das Kleiderangebot durch und fand das hier:



Einen schwarzen Mantel brauche ich eigentlich schon lange, war aber immer zu geizig, einen zu kaufen, weil ich Schwarz sehr selten trage (nur zu Konzerten oder Beerdigungen). Dieser war wie neu, passte wie angegossen und war für 25 Mäuse zu haben. Gebongt!
Wenn ihr bessere Augen habt als ich, könnt ihr euch jetzt denken, was der Sohn sagte, als ich zuhause freudig das Schnäppchen vorführte: "Schönes Teil, Mama - aber du weißt schon, dass der braun ist, oder?" Nee, wusste ich nicht! Im Neonlicht der Markthalle hatte ich das Teil ganz klar schwarz gesehen... Es war ein kleiner Schock, denn ich war mir meines differenzierten Farbensehens immer absolut sicher. Aber das ist nun eben doch das Alter... die Lichtstärke nimmt ab, die Linse trübt sich sachte ein. Ich merke es im grauen Winterdämmerlicht auch immer wieder, dass ich mehr elektrisches Licht brauche als früher. 
Eine Schwarzseherin werde ich deswegen aber noch lange nicht! Auch wenn ich heute leider schwarz gesehen habe...  :-)

Montag, 24. April 2017

Beherzt



Unter mehreren Äpfeln in der Obstschale griff ich zufällig diesen heraus - und konnte gerade noch innehalten vor dem Anbeißen: Nanu...?!
Auch wenn es auf den zweiten Blick ganz sicher keine Laune der Natur, sondern eher ein werbewirksamer Gag eines einfallsreichen Obstbauern ist, hab ich mich doch über die unerwartete Herzensbotschaft gefreut.
Da gibt's eigentlich nur noch eines: herzhaft reinbeißen!  :-)


Montag, 7. März 2016

Zeitsprung








 
 



Auf der Suche nach einer ganz bestimmten Nähgarnfarbe kruschtelte ich in den alten Nähkästchen meiner (vor fünf Jahren verstorbenen) Mama herum - ein ungeschickter Griff brachte eines zum Kippen und viele Garnröllchen fielen auf den Boden. Da ich nun schon dabei war, leerte ich alles aus und sortierte Unbrauchbares aus und Brauchbares wieder ein, stieß dabei auf manches alte "Schätzchen", ließ mich berühren von der Sorgfalt, mit der kleinste Fadenreste aufgewickelt und aufbewahrt worden waren, freute mich über hölzerne Garnspulen, schöne schwarze Perlmuttknöpfe und längst überholte Söckchengrößen... und fühlte mich ihr dabei so nahe, die in ihrem Leben mit diesen Dingen gearbeitet, sie immer wieder in die Hand genommen hat (einiges davon ist auch sicher noch von meiner Oma, das Rädchen zum Schnitte "durchrädeln" etwa). Es war, als ob das Betrachten und Berühren dieser alltäglichen Dinge einen Zauber ausüben würde, welcher die verfließende Zeit von etwas Trennendem in etwas zutiefst Verbindendes verwandelte...

Freitag, 5. Februar 2016

...was man noch brauchen kann...

Wenn es eng wird im Keller und unterm Dach, dann muss dringend entrümpelt werden, da sind wir uns einig, mein Papa und ich. Und dass man Sachen, die man noch brauchen kann, nicht wegwirft, ist auch unstrittig. Nur: was nun irgendwann noch gebraucht werden könnte und was sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die nächsten zehn Jahre nicht von der Stelle bewegen wird, darüber gehen die Meinungen manchmal ziemlich auseinander...
Bücher können in dieser Hinsicht schwierig sein, viele Jahrgänge wohlsortierter Fach- oder auch Kunst&Kulturzeitschriften, Stoff- und Wollvorräte (ja, ich habe auch so meine heiligen Kühe, gebe ich zu) und viele andere Materialien, aus denen "man noch etwas machen kann".




Zum Beispiel die Holzvorräte. Mein Vater ist zwar nicht von Beruf, aber doch mit großer Leidenschaft und beachtlichem Sachverstand Schreiner, und da er vor dem Architekturstudium eine halbe Zimmermannslehre gemacht hat, auch auf diesem Gebiet recht beschlagen. Ein gut Teil der Möblierung dieses Hauses stammt aus seiner Kellerwerkstatt, den Gartenteich samt Holzterrasse drum herum hat er mit eigenen Händen gebaut, und hinter dem Haus harrt ein Geräteschuppen der Vollendung. Letzterer und auch so manches andere Stück besteht zum großen Teil aus gebrauchtem oder übriggebliebenem Material. Kein kaputter Tisch, kein altes Sofa darf einfach zum Sperrmüll gegeben werden, ohne dass es zerlegt und alle noch brauchbaren Teile aufgehoben werden. Was natürlich gut und richtig ist - dennoch: der Stauraum ist sehr begrenzt (das Haus ist nur halb unterkellert, vieles lagert auch in der Garage...), und auch die Schaffenskraft des betagten Hobbyschreiners stößt an unübersehbare Grenzen. So kommt es, dass wir immer mal wieder um paar Teile, die meiner Meinung nach wirklich keine Zukunft mehr haben, heftig feilschen. Zum Glück hat meine Schwester einen Schwedenofen im Wohnzimmer stehen, und die Möglichkeit, das aussortierte Material immerhin noch verheizen zu können, macht das Loslassen ein kleines bisschen leichter...
 
Es  kommt  aber  auch   vor, 
dass mich die Akribie, mit der mein Papa alles Mögliche und Unmögliche aufhebt, richtig glücklich macht! Dann nämlich, wenn ich für einen ganz bestimmten Zweck händeringend nach irgendeinem "Zeugs" suche, von dem ich selber keine genaue Vorstellung habe, was es denn sein könnte. 



Neulich zum Beispiel: Ich hatte für einen offenen Frauentreff einen Abend zum Thema "Labyrinthe" zu gestalten. Ein Lieblingsthema von mir, das ich mit viel Freude vorbereitet habe. In dem Gemeindehaus, in dem der Abend stattfinden sollte, gab es einen leeren Nebenraum, der mich auf die Idee brachte, nicht nur über die Geschichte und Symbolik von Labyrinthen zu reden, sondern auch eines zum Begehen anzubieten.
Nur: woraus sollte ich es bauen? Einmal habe ich schon eines mit Kreppklebeband  auf den Boden geklebt. Das geht ganz gut, aber die Ästhetik von Malerkrepp ist doch eher - na ja, unelegant... und für "Eva's Evening" wollte ich ein schönes Labyrinth haben. Dickes weiches Nylonseil aus dem Baumarkt ist teuer und verrutscht leicht. Farbige Tücher sehen wunderschön aus, zumal für Frauen - aber woher so viele passende nehmen? Ein Lichterlabyrinth ist schon lange mein Traum, aber nur im Freien und nicht auf Parkett. Suchend streifte ich über den Dachboden - und mein Blick fiel auf das hier:

                                                                         
Keine Ahnung, wie viele Jahre es gedauert hat, bis diese Sammlung beieinander war. Aber ich erinnere mich wohl, dass wir ab und zu gegrinst haben, wenn mein Vater nach dem Eisschlecken den Stiel sorgfältig abspülte und aufhob: "Da kann man mal was draus machen!" Es stimmt: so manches Erstaunliche hat er schon aus "Abfällen" und Fundstücken gebastelt. Aus einem Eisstiel-Projekt ist aber doch nichts geworden - bis jetzt. Denn nun sah ich es vor meinem inneren Auge: das Eis-am-Stiel-Labyrinth!  


Und es wurde fast noch schöner, als ich erwartet hatte. Genau eine Stunde brauchte ich zum Auslegen, in der Mitte brannte eine Kerze und jede Frau durfte sich eine kleine Karte mit einem guten Spruch mitnehmen. Während des langsamen Gehens sangen wir leise einen Kanon. Es war sehr stimmungsvoll und eine schöne Abrundung des Abends!


Also: immer fleißig Sachen sammeln - man weiß nie, wann man sie braucht! ;-)
 

Mittwoch, 22. Juli 2015

Stiefmütterlich

  





Beim Öffnen eines lange nicht mehr benutzten Schreibheftes fielen und flatterten sie mir entgegen. Gepflückt und gepresst vor Jahren, vergessen und mit umgezogen... und trotz stiefmütterlicher Behandlung meinerseits unversehrt: hauchzarte, nostalgische Omablümchen. Vielleicht werden sie irgendwann ein paar Postkarten zieren?

Donnerstag, 19. März 2015

Hoch hinaus

Ich mag Zimmerpflanzen. Sehr. Eigentlich.
Aber ich habe ein Problem mit dem Gießen. Oder vielmehr mir dem Drandenken. Dann steht mein Mann abends vom Sofa auf und sagt: "Diese Pflanze sieht soo traurig aus - wann hast du die zum letzten Mal gegossen?" Und während er die Gießkanne holt und die arme traurige Pflanze mit Wasser versorgt, stottere ich etwas von "...äähhhmm - war doch erst vor drei Tagen... oder so...". Tja, und deshalb haben bei mir schon immer nur solche Zimmergewächse überlebt, die es mit der Wasserversorgung nicht so genau nehmen und auch mal eine Woche Trockenheit überstehen.
Kakteen zum Beispiel.


  
Allerdings nur die kleineren Arten, denn große Kakteen sind mir einfach zu unhandlich. Einmal beim Staubsaugen nicht aufgepasst und nur kurz dran vorbeigestreift, und schon ist man für den Rest des Tages mit dem Rauspinzettieren feinster Stächelchen beschäftigt. Zum Glück wachsen sie ja langsam, so hat man lange kein Problem damit.

 
















Die meisten jedenfalls. Einer dieser Hungerkünstler hat es aber auch bei spärlichster Pflege, ungedüngt und in jahrelang der gleichen Erde geschafft, zu stattlicher Höhe heranzuwachsen. Dieser Riese hat eine besondere Geschichte: mein Jüngster, damals Drittklässler, brachte ihn einst als kleines Kaktusbaby aus der Schule mit. Seine Lehrerin, eine originelle und ideenreiche Frau, hatte auf dem Wertstoffhof im Grüngut-Container ein großes, weggeworfenes Exemplar dieser Pflanze gefunden, die Bruchstücke eingesammelt und eingetopft und sie dann ihren Schülern mitgebracht. Erst schmückten sie das Klassenzimmer, und am Ende des Schuljahres durfte jeder seinen kleinen Kaktus mit nach Hause nehmen.


Der Knabe ist nun siebzehn und mir längst über den Kopf gewachsen, aber der Kaktus war schneller: er hatte seit einiger Zeit die Zimmerdecke erreicht und begann sich Richtung Fenster zu bewegen. Nachdem ich dem Besitzer versprochen hatte, ganz vorsichtig zu sein, kam das grüne Hochgewächs also unters Messer. Nun hat es wieder dreißig Zentimeter Luft bis zur nächsten Schur.














Und wir jede Menge Ableger für neue Riesen... :-)                                    

Montag, 2. Juni 2014

Lachnummer


Von zuviel Nässe aufgeplatztes Radieschen aus meinem Garten... lach du nur, solange du noch kannst, denn gleich werde ich dich verspeisen!!  :-)

Mittwoch, 9. April 2014

memories: Die Geschichte vom Findelhund

Nun ist unser Familienhund schon etliche Male hier im Blog aufgetaucht; es wird Zeit, dass ich einmal erzähle, wie er zu uns kam (bzw. wir zu ihm - "wie die Jungfrau zum Kinde", sagt man wohl). Es ist eine längere Geschichte, die mindestens zweien meiner Buben in jenem Jahr zu guten Aufsatznoten zum Thema "Mein schönstes Ferienerlebnis" verholfen hat. Hier also meine Version:
 

Es war einmal ein kleiner Junge, der liebte Tiere über alles (jedenfalls die vierbeinigen...). Und sein immer wieder geäußerter Herzenswunsch war: ein Hund! Nichts sonst zum Geburtstag, nichts zu Weihnachten - aber bitte, bitte einen Hund!
Leider hatte die Mutter des kleinen Jungen so manchen Einwand (ganz abgesehen davon, dass sie nie eine große Hundefreundin gewesen war): Jedes Jahr zwei oder drei Wochen Sommerurlaub in Siebenbürgen, 1600 km hin und ebensoviele zurück, in einer Gegend, wo es von herumstreunenden Hunden nur so wimmelt - wie sollte das gehen? Und so ein Hund muss erzogen werden - drei Kinder waren ihr gerade genug! Damit das Kind nicht so ganz ohne eigene Tiere aufwachsen musste, zogen im Laufe der Zeit Häschen, Meerschweinchen und Fische bei ihm ein. Der Junge hatte seine Freude daran, aber die Sehnsucht nach einem Hund wurde dadurch kein bisschen weniger.



Als der kleine Hundefreund acht Jahre alt war, verbrachte er mit seiner Familie die Pfingstferien wieder einmal in der siebenbürgischen Heimat seines Papas. Am vorletzten Tag vor der Heimreise, die Eltern machten sich eben auf den Weg zum Einkaufsladen, kam er ihnen atemlos den Weg herunter entgegengerannt: "Mama, Papa, kommt schnell - wir haben einen kleinen Hund gefunden!" Tatsächlich war es ein sehr kleiner Hund, ein höchstens fünf Wochen alter Welpe, den die Kinder aus einer Telefonzelle befreit hatten. Irgendjemand hatte ihn dort hineingesetzt, um ihn loszuwerden.


Die Mutter des kleinen Jungen trug ihn hinunter ins Ferienhäuschen, und während das winzige warme Fellknäuel sofort anfing, an ihren Fingern zu saugen, konnte sie nicht umhin, gewisse mütterliche Gefühle zu verspüren. Ziemlich starke mütterliche Gefühle, um ehrlich zu sein.
 











Zuhause angekommen, bekam das Hundekind einen Rest Spaghetti mit warmer Milch, die es unter den begeisterten und gerührten Blicken von Kindern, Eltern und Verwandten ratzeputz und ohne abzusetzen verschlang (wobei sich in die elterlichen Blicke auch schon eine gewisse Besorgnis mischte: und was jetzt?!).


Das kleine Kerlchen, das der Familie so mir nichts, dir nichts in den Schoß gefallen war, war unbeschreiblich süß und unbeschreiblich verlaust/-floht/-ungeziefert. Und es war von einem großen Taten- und Entdeckerdrang erfüllt und stromerte auf dem ganzen Grundstück herum, die Kinder im Schlepptau, die aufpassten, dass das unverhoffte Geschenk des Himmels nicht etwa wieder verschwand.


In der folgenden Nacht lag die Mutter längere Zeit wach und wälzte Gedanken hin und her: Eigentlich will ich keinen Hund. Wir kennen uns doch gar nicht aus mit Hunden. Außerdem ist dieser Welpe weder geimpft noch mit irgendwelchen Papieren versehen. Vielleicht ist er sogar krank. Den dürfen wir ja gar nicht mitnehmen. Wie sollen wir ihn über drei Grenzen bringen? Andererseits: wie sollen wir unseren Kindern erklären, dass wir dieses Hundebaby, das noch nicht mal richtige Zähne hat und alleine wohl kaum überleben wird, einfach seinem Schicksal überlassen? Morgen abend wollen wir nach Deutschland zurückfahren - bis dahin finden wir niemanden, der für ihn sorgt. Gibt ja eh viel zu viele Hunde hier. Wie könnten wir jemals wieder von "Bewahrung der Schöpfung" oder Nächstenliebe sprechen und unseren Kindern in die Augen schauen? Und... war dies nicht eine deutliche Antwort auf den Herzenswunsch des Kindes?


Irgendwann merkte die Mutter, dass sie nicht die einzige war, die schlaflos lag. Der folgende nächtliche Gedankenaustausch gipfelte in der immer noch ratlosen Frage an ihren Mann: "Ja, und was machen wir denn jetzt?" Worauf dieser die Verantwortung übernahm und sprach: "Wir nehmen ihn einfach mit!"















Und so geschah es.
Der Findelhund wurde kurz vor der rumänisch-ungarischen Grenze (wo noch gründliche Kontrollen stattfanden damals) in einen Rucksack gesteckt, der auf dem Boden vor dem Rücksitz platziert war, die frischgebackene Hundestiefmutter steckte ihre Hand in den Rucksack, und während der Vater den Grenzbeamten freundlich plaudernd ablenkte, lutschte das Hundekind eifrig an ihren Fingern und machte keinen Mucks. Es wusste wohl, dass es um sein Leben ging, meinten die Kinder nachher.


Auch in der folgenden Nacht, die es alleine im Auto verbringen musste, weil seine neue Familie in einem ungarischen Pensionszimmer übernachtete, verhielt  sich das kleine Kerlchen vorbildlich und machte nicht einmal die alten Decken und Handtücher nass, die man ihm vorsorglich untergelegt hatte. Wie es das wohl geschafft hat?

So kam es schließlich wohlbehalten in seiner neuen Heimat an, wurde gebadet, geimpft, gechipt (was ein Hund hierzulande alles über sich ergehen lassen muss...) und vor allem ganz viel gestreichelt und geschmust. Und als die Mutter am ersten Abend zuhause innerlich ein wenig seufzte, weil sie sich erst an den "Duft" gewöhnen musste, den so ein Tier eben an sich hat, da seufzte im selben Moment das jüngste Herrchen (das zwar wegen seines Hundewunsches wohl der Adressat dieses Himmelsgeschenkes war, das aber keine Fotos von sich im Blog sehen will, weshalb hier nur die großen Brüder vertreten sind) glücklich auf und meinte: "Ach Mama - der riecht sooo gut nach Hund!"

Was soll man da noch sagen?



Das alles ist nun schon fast acht Jahre her. Das Hundekind wurde groß, bekam spitze Zähnchen, die es überall ausprobierte (auch gerne an Kinderzehen), ließ sich so manches beibringen (anderes wiederum nicht) und erwies sich insgesamt als ruhiger, unkomplizierter und, Gott sei Dank, kerngesunder Hausgenosse. Die  Frage anderer Hundebesitzer nach der Rasse wurde von den Kindern gelegentlich mit "tiefergelegter Collie" beantwortet - Tatsache ist, dass dieser Hund einen eher kräftigen Körper mit dichtem, langhaarigem Fell auf zwei Paar süßen krummen Dackelfüßen spazierenträgt. Dem Herrchen tut der tägliche Auslauf ebenso gut wie dem Hund. Und auch das Frauchen bekommt mit vierbeinigem Begleiter mehr frische Luft als ohne. Nur der kleine Junge von damals ist jetzt ein großer Junge und muss diesbezüglich doch ziemlich gebeten werden... aber lieben tut er den Findelhund immer noch sehr!


"Ach ja, und das ist übrigens nicht mein Name da auf der Schachtel! Ich heiße auch nicht Bello oder Rex oder wie so Hunde hierzulande alle heißen. Mein Name ist "Buksi" (so schreiben das die Ungarn - rufen muss man mich "Bukschi"), und bedeuten tut es sowas wie "Wuschel". Weil ich so ein schöner wuscheliger Hund bin!


Alles klar? Wuff...!"