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Sonntag, 22. Juli 2018

Gewinde


Ein noch unangebrochenes Samentütchen, im letzten Jahr vergessen auszusäen, fand sich im März zwischen verschiedenen Saatgutresten: eine blaue Königswinde. So etwas hatte ich noch nie im Garten, und so zog ich einige Pflänzchen auf der Fensterbank vor. Ich wollte sie in den großen Pflanzkasten auf unserem Balkon setzen, von wo sie sich am Geländer entlang und zum Dach hinauf winden sollten.
Nun hatte der Sohn im Frühjahr plötzlich seine Liebe fürs Gärtnern entdeckt und eine größere Menge Tomatensetzlinge aus Samen gezogen, die er im Mai in Töpfe auspflanzte und auf den Balkon stellte - so weit, so schön. Bis ich aber mit meinen Winden ankam, war alles besetzt, der Balkon war zum Tomatenfeld mutiert... Tomaten wo man hinschaute:



...auch in dem großen Pflanzkasten, in dem ich bisher immer etwas Schönes Blühendes gehabt hatte.
Leider gibt es in unserem Garten keinen bepflanzbaren Zaun (am einzigen Stück Zaun stehen Himbeeren), und so kam ich schließlich auf die Idee, meine Winden in einen leeren Balkonkasten zu setzen und diesen neben die große, vom Boden bis zum Balkon reichende Kletterhortensie zu stellen, die eh nicht mehr ordentlich blüht und im Herbst weggehauen werden soll (ich möchte da lieber Rosen und Clematis haben).







Ja, und jetzt trägt das alte langweilige Hortensiengestrüpp die schönsten himmelblauen Blüten! Jeden Tag blühen neue auf, seidenfein und flatterzart, strecken sich der Sonne entgegen und verwelken am Abend, während ebensoviele junge Knospen darauf warten, sich am nächsten Morgen beim ersten Sonnenstrahl zu öffnen. Als seien kleine blauweiße Stoffstückchen vom Himmel herabgesegelt und in dem dunkelgrünen Blattwerk hängengeblieben.
Inzwischen hat das himmlische Gewinde sich bis zum Balkon hinaufgewunden und schickt sich an, die Tomatenpflanzen, die inzwischen viele kleine grüne und rote Früchtchen tragen, mit blauen Farbtupfern zu verzieren. Ich bin mal gespannt, ob sie es bis zur Dachrinne schaffen...

Sonntag, 13. August 2017

Blumen-Kohl


Viel Zeit zum Blogschreiben habe ich nicht mehr, denn übermorgen geht es ab in den Urlaub. Aber diese besondere Kohl-Blume wollte ich doch noch gezeigt haben...


...auch wenn es sich hierbei, wie ihr sicher erkannt habt, nicht um eine farbintensive Neuzüchtung handelt, sondern um botanische "fake news".  ;-) Nämlich um eine tiefrosa Malvenblüte, die ich wegen des faszinierenden Farbkontrasts unbedingt auf die schwarzgrünen Blätter des Palmkohls setzen und ablichten musste.


Auf den Toskanischen Palmkohl (oder auch Schwarzkohl) bin ich im Frühjahr beim Sameneinkauf erstmals gestoßen, und die Anzucht auf dem Fensterbrett hat problemlos geklappt. Im Garten sind daraus große, buschige Stauden geworden, deren Blätter kleingeschnitten, mit Zwiebel und Knoblauch gedünstet und mit Pasta oder Kartoffeln vermischt eine schnelle und leckere rustikale Mahlzeit ergeben. Rustikal deshalb, weil der Palmkohl der robustere Verwandte des Wirsings ist und auch nach halbstündigem Garen noch etwas Biss hat, was ich aber gerne mag. Aber auch wenn man ihn nicht essen wollte, wäre er durch sein dekoratives Aussehen eine echte Bereicherung für den Garten (auch ohne rosa Blüten...). Ich habe Palmkohl-Stauden sogar in den üppigen Blumenbeeten im Stadtzentrum entdeckt, wo sie einen tollen dunklen Kontrapunkt zu den bunten Blütenpflanzen setzen. Nur gut, dass wahrscheinlich die wenigsten Leute wissen, dass diese grünschwarzen Blätter essbar und gesund sind, sonst müsste die Stadtgärtnerei ständig Palmkohl nachpflanzen...   :-)

Mittwoch, 18. Januar 2017

Die Ersten und die Letzten







Sie sind schon wieder fast verblüht, die ersten Tulpen des Jahres, die der Herr des Hauses vom Einkaufen mitgebracht hat. Mit Blumensträußen geht es mir allerdings ähnlich wie mit den letzten Überbleibseln von Weihnachten: Ich kann mich nur schwer von ihnen trennen, auch wenn es Zeit dafür wäre. Unser kleines, feines, von den Söhnen im altvertrauten JugendKinderstil geschmücktes Bäumchen sieht immer noch so hübsch aus und nadelt kein bisschen. Und es handelt sich nicht etwa um eine weithergebrachte Nordmanntanne, sondern um ein heimisches Gewächs aus den Löwensteiner Bergen. Ich habe beschlossen, dieses Jahr der katholischen Tradition zu folgen: Bis Lichtmess darf er bleiben!
Ja, und die Tulpen dürfen auch stehenbleiben, bis sie die Blätter fallen lassen. Weil sie, nachdem sie frisch so adrett und zugeknöpft nebeneinander in der Vase standen, im Verblühen plötzlich so etwas Wildes, Unbekümmertes an sich haben. Wie ein paar in die Jahre gekommene Mädels, die es nochmal wissen wollen und beim Faschingsball ihrer Lebensfreude freien Lauf lassen... uns doch egal, was die anderen denken!   :-)
Ich find sie einfach schön!

Freitag, 6. März 2015

anstatt...*



Eigentlich sollte der nächste Eintrag hier ja mein neuestes Strickstück zeigen - seit langem mal wieder ein größeres: eine dicke, warme, etwas längere Jacke für draußen, aber wie es so ist: je näher ich der Vollendung komme, desto langsamer geht es vorwärts... man denkt immer: nur noch die Ärmel - aber gerade die scheinen dann endlos breit und lang zu sein.










Anstatt Jacke führe ich euch also erstmal ein paar Kleinigkeiten vor, die während meiner Reha-Wochen entstanden sind. Ich habe da einiges für unseren Gemeindebasar gestrickt, Schals und Kindermützen, was mir viel Spaß gemacht hat. Das meiste habe ich leider nicht fotografiert, aber von diesen beiden einfachen Turbo-Schnellstrick-Loops (dicke Wolle, 8er-Nadeln und in jeder zweiten Hinreihe doppelt rumgewickelte Maschen) gibt's Bilder:

       
          

Und von diesem, eigentlich auch äußerst simpel gestrickten, Teil ebenfalls: 


Und falls jetzt jemand denkt, ich hätte einen Knopf vergessen oder ein Knopfloch zuviel gemacht: dem ist nicht so! Die Idee war eigentlich, den Loop mit Knöpfen zu versehen, damit man ihn einfach oder, verdreht zugeknöpft, auch als Möbius tragen könnte. Aber nachdem der zweite Knopf angenäht war, packte mich die Neugier, was man wohl damit anfangen und auf wie viele verschiedene Arten man so ein Teil tragen kann. Ich kam auf fünf, die beiden einfachsten Möglichkeiten nicht mitgezählt:
 
 












                                                                                            








Wie man sieht, ist ein dritter Knopf hier vollkommen überflüssig und würde nur stören!   :-)


Zum Schluss noch ein etwas merkwürdiges Exemplar, auf merkwürdige Weise aus sehr merkwürdigem Garn entstanden. Ich hatte nämlich irgendwann einmal zwei Knäueln eines glitzrigen bunten Materials nicht widerstehen können, von dem mir die Wollladenverkäuferin versicherte, man könne dies wirklich stricken, mit ganz dicken Nadeln, und es sich schmückend um den Hals hängen.


Mir fiel spontan eine Freundin ein, die gerne pfiffigen Modeschmuck trägt, und so suchte ich meine dicksten Besenstiele Nadeln heraus und strickte eine ellenlange Kreuzung zwischen schmalem Schal und Halskette aus dem Glitzerzeug, was ein ziemliches Gewürge war, aber am Ende recht originell aussah (und ihr zum Glück auch gefiel). Von diesem Projekt hatte ich noch ein Probeläppchen herumliegen, auch übriges Garn, und so probierte ich eine Weile herum. Heraus kam eine Art gestricktes Collier...


                                 ...das ich selber, offen gesagt, nicht tragen würde, aber da es nun schon da war, wanderte es auch in die Basar-Schachtel und hat anscheinend irgendjemandem gut genug gefallen, um gekauft zu werden.

P.S.Tragen würde ich es nicht, aber als Headerfoto macht es sich recht schmuck, finde ich...   ;-)

P.S.2 *Posttitel geklaut inspiriert durch ein wunderbares anstatt völlig anderer Art, heute bei Stefanie Rabenschlag: ein traumhaftes Bild!

Mittwoch, 9. Juli 2014

Hübsche Jungfer


Wenn man nach einem Umzug beginnt, sich mit dem neuen Drumherum, sprich Garten, zu beschäftigen, dann ist das fast, als lerne man eine kleine neue Welt kennen. So ging es mir hier auch, und es war und ist eine interessante Entdeckungsreise. Der Boden ist anders: nachdem wir vorher lockeren Flusstalboden mit vielen Steinen hatten, wo sich in jeder Handvoll Erde drei Regenwürmer kringelten, sehen wir uns nun einem schweren, vollkommen steinfreien und ziemlich fruchtbaren Lehmboden gegenüber, der bei Trockenheit allerdings steinhart wird und wo man die paar Würmer, die man zu Gesicht bekommt, fast schon mit Namen kennt.


Natürlich wachsen auf diesem anderen Boden auch andere Pflanzen, seien es nun (Un)kräuter oder andere wildwachsende und sich immer neu aussamende Gartenbewohner. Ein solches Pflänzchen habe ich im vorigen Garten einmal versucht aus Samen zu ziehen - vergeblich.  Hier hingegen wächst es wie Unkraut.  Es handelt sich um diese liebreizende kleine Blume:


Sie ist keine elegante Königin wie die Rose, keine steife Hofdame wie die Nelke und keine feurige Flamencoschönheit wie die Gladiole. Sie ist ein prinzessinnenhaft zart wirkendes Wesen mit der Robustheit und Bodenständigkeit eines Landmädchens. Und das drückt sich auch in ihrem Namen aus:  
       
Jungfer im Grünen
(Nigella damascena)


Es gibt sie in auch in Rosa, am häufigsten jedoch in Blau. In meinem Garten wächst sie nur in Weiß, sowohl mit einfachen als auch mit gefüllten Blüten. In früheren Jahrhunderten war sie als Gartenblume sehr beliebt, dann kam sie aus der Mode und war in den letzten hundert Jahren nur noch in den Bauerngärten zu finden. Heute freuen wir uns wieder über solche "altmodischen" Schönheiten mit ihrer romantischen Anmut und ihrem Großmutter-Flair.
Was mir außer der schönen Blüte an dieser Pflanze so überaus gut gefällt, das ist ihre dekorative Verwandlung im Reifeprozess. Schon die Knospe hat etwas interessant Distelhaftes:


Und nach der Blüte hängen dann nicht nur ein paar traurige welke Reste herum, sondern es entwickelt sich sofort eine ballonartige Samenkapsel, die sehr attraktiv aussieht und sich wunderbar für winterliche Trockensträuße eignet.








Ich finde sie einfach toll, diese Jungfer im Grünen, die noch manche anderen Namen trägt wie z.B. Braut in Haaren, Gretl in der Stauden, Damaszener Schwarzkümmel u.a. (Wer mehr über sie wissen möchte: es gibt einen Wikipedia-Artikel dazu).

Freitag, 27. Juni 2014

Krauser Strauß



Ein bisschen struppig und ziemlich wild wirkt dieser Blumenstrauß aus meinem Kräuterbeet, aber gerade deshalb gefällt er mir so gut. Ich bin floristisch nicht besonders ambitioniert und stelle meist das, was ich so in Feld und Flur oder im Garten finde, ohne weitere Zutaten einfach in eine passende Vase. Und heute war es eine von zwei großen Borretschstauden, die dran glauben musste, weil beide Pflanzen zu viel Platz im Beet beanspruchten und ja auch niemand so viel Gurkenkraut braucht. Zusammen mit ein paar Zweigen Mutterkraut ergaben die stacheligen dicken Stängel mit den feinen himmelblauen Sternchen einen recht urwüchsigen Tischschmuck, zu dem das von meiner Schwiegermutter handgearbeitete Deckchen eine hübsche ornamentale Ergänzung bildet.






Mit diesem völlig uneleganten, aber doch ein wenig ländlich-romantischen Blumenschmuck möchte ich mich erstmals am Flower-Friday bei Holunderblütchen beteiligen und zugleich allen hier Lesenden ein sommerlich-schönes Wochenende wünschen, mit borretschblütenblauem Himmel und mutterkrautweißen Wolken...!

Samstag, 29. März 2014

Tulpen!






Sind sie nicht einfach hinreißend schön? Tulpen wirken am besten ganz pur - sie brauchen nichts drumrum, kein Lückenfüller-Grünzeug, keine Dekoschnörkel. Nur sich selbst und eine möglichst schlichte Vase. Und jemanden zum Bewundern...  ;-)

(Vase vom Trödelladen, Deckchen aus dem Weltladen (Handarbeit aus Chile), Gardinenringe und Holzteller vom Dachboden, Deko-Idee von der Raumfee.)

Samstag, 9. November 2013

Sonntagsfreuden: Jetzt wird's bunt

Schon als ich das erste Mal im Lädele von "MelinoLiesl"  den Cowl "Bunter Tweed" sah, habe ich mich in die herrlichen sanften Regenbogenfarben verliebt. Damals gab es allerdings wichtigere Anschaffungen als einen neuen Schal, und so guckte ich nur von Zeit zu Zeit mal rein, ob er wohl noch da wäre? Und erstaunlicherweise war er immer da und schien doch irgendwie auf mich zu warten...


...und als es nun immer kälter und windiger wurde und ich mal wieder feststellen musste, dass meine Wintergarderobe doch farblich etwas eintönig ist, nämlich dunkelblau, hellblau, graublau, blaugrau und (immerhin) der eine oder andere kirschrote oder violette Farbtupfer, da wusste ich, dass die  Zeit reif war für Melanies "Bunten Tweed". Heute kam er an, liebevoll verpackt und sanft leuchtend wie ein Stück gewebte Herbstlandschaft. Ich konnte mich kaum sattsehen...


Und das Allerschönste ist, dass dieses gute Stück wirklich zu allem passt und das einzige "bunte" Teil ist, bei dem ich nicht befürchten muss, dass mich die Leute fragen, ob es mir nicht gut gehe - ich sei so bleich... (das ist mir früher immer mit den klassischen Herbstfarben passiert, die ich sehr liebe, aber leider nicht tragen kann).


Danke, liebe Melanie, für diese warmbunte Sonntagsfreude! Der Winter kann kommen!

Dienstag, 15. Oktober 2013

Goldstaub



Das Baugerüst ist weg, endlich!! Viel Staub und Dreck ist zurückgeblieben und muss in den nächsten Tagen weggeputzt werden. Aber wie schade wäre es gewesen, wenn ich eine perfekte Hausfrau wäre und sofort zum Putzlappen gegriffen hätte! Dann hätte die Abendsonne mich nämlich nicht mit diesem "Kunstwerk" überraschen können, indem sie Fensterstaub (der bei bedecktem Himmel erstaunlicherweise kaum zu sehen war) in golden leuchtende Zufallsgrafik verwandelte...


Und die tiefstehende Sonne strahlte noch weiter in die Wohnung hinein und hob wie ein Bühnen-Spot einzelne Gegenstände gleißend hell hervor, während die Umgebung verdunkelt erschien.


(z.B. das Innenleben des alten Fernsehers meiner Oma, das mein erfinderischer Vater zu Schrottkunst umfunktioniert und ins Treppengeländer montiert hat, oder auch die schönen alten Glasflaschen, die in der Apotheke verscherbelt wurden und von denen ich damals unbedingt ein paar mitnehmen musste).



Nach wenigen Minuten ging der Abendlichtzauber zu Ende, ich erwischte gerade noch eine witzige Spiegelung (in einem Bild von meinem Paps - er lebt seine Kreativität nicht nur mit Schrott, sondern auch mit ganz "normalen" Mitteln aus - einiges davon wird vielleicht noch ab und zu hier auftauchen).
 

Dann war das Licht weg und der Zauber von einer Sekunde auf die andere verschwunden - und alles wieder ganz alltäglich... Ich werde aber gut aufpassen, denn jeden Nachmittag kann es - klaren Himmel vorausgesetzt - so ein paar Zauberlichtminuten geben, in denen sich das Vertraute und Alltägliche plötzlich verwandelt, und wo bestimmt noch so manches Motiv zu entdecken ist.