...mir ist da was Dummes passiert!" sprach der große Sohn und zog den Lieblingspullover aus dem Koffer. Den von der Mama vor Jahren gestrickten und seither im Winter ständig getragenen, trotzdem immer noch fast wie neu aussehenden: aus Merino extrafein in sanftem Anthrazit, null Pilling, schönes Maschenbild, die beste Qualität, die ich je verstrickt habe.
Ja, und was war nun passiert?
Er hatte sich nur kurz an einen Türrahmen angelehnt. Einen frisch gestrichenen. Dumm gelaufen. "Meinst du, das kriegt man wieder hin?"
Mir kamen fast die Tränen... Allerdings war ich recht zuversichtlich, dass die chemische Reinigung das schon hinbekommen würde - Chemie gegen Farbe, da gab es doch bestimmt irgendein Gegengift.
Dem war aber leider nicht so, zumindest nicht bei Farbe auf Wolle. Die Reinigungs-Angestellte erklärte mir, dass das nicht ohne "mechanische Bearbeitung", sprich Rubbeln und Scheuern, gehe. Und das geht nun eben bei Wolle gar nicht. Die geht dabei kaputt.
Da der Pulli so, wie er war, nicht mehr zu gebrauchen war, beschloss ich, damit herumzuexperimentieren. Ich löste zwei Packungen schwarze Stofffarbe (solche, die auch zum Wollefärben geeignet ist) in fünf Litern heißem Wasser auf und legte das gute Stück hinein. Da die Temperatur über mehrere Stunden gehalten werden musste und mein größter Kochtopf immer noch zu klein war, erinnerte ich mich an den alten, schwarzblau emaillierten Gänsebräter (hierzulande "Ganskachel" genannt) meiner Oma, der im Keller verstaubte. Auch der war mit Wolle und Farbbrühe randvoll und ich musste sehr vorsichtig umrühren. Am Ende der ganzen Prozedur war klar, dass sich Lackfarbe nicht einfach mit Stoffarbe übertönen lässt. Sie muss irgendwie aufgelöst werden.
Ich suchte im Netz und fand den Rat: Aceton. Also besorgte ich mir in der Apotheke ein Fläschchen des durchdringend duftenden Zeugs und machte mich tupfend und rubbelnd an die Arbeit. Die nur schwach betroffenen Stellen ließen sich erstaunlich leicht säubern. Wo aber dick weiße Farbe saß, war es mühsam und nicht wirklich erfolgreich. Da ich nichts zu verlieren hatte, probierte ich es mit einer neuen Technik: ich nahm richtig viel Aceton, rubbelte und rauhte die nasse Oberfläche auf und begann dann mit einer Nagelschere ganz vorsichtig möglichst viel weiße Farbe mitsamt den feinen Wollfasern an der Oberfläche ganz flach abzuschneiden.
Es war ein elendes Gefummel, aber am Ende war vom Weiß - immerhin - nur noch ein heller Schatten übrig. Nicht wie neu, aber doch tragbar, wie der Filius befand ("...die Leute gucken mich ja mehr von vorne als von hinten an!"). :-)
Fazit: Qualität zahlt sich aus - ein weniger wertvolles Garn hätte diese Behandlung bestimmt nicht so gut verkraftet. Glück gehabt!
