Dienstag, 8. Januar 2019

Winke, Winke!

Nein, nicht um Tinky-Winky und Genossen geht es hier, sondern um gute Ratschläge, Empfehlungen, früher "Winke", "Kniffe" oder "Fingerzeige" genannt - heute bezeichnen wir dasselbe kurz und knackig als "Tipps".

                                       

Das Büchlein aus dem Jahre 1933 ist so ein Schätzchen, wie sie einem beim Sichten, Aufräumen und Entsorgen von altem "Kruscht" manchmal in die Hände fallen. 
Es hatte, laut Vorwort, wohl großen Erfolg in der Hausfrauenwelt, wofür extra ein männlicher Kronzeuge - ein Herr! mit Auto!! - herangezogen werden musste, denn ihm kam natürlich die perfekte und sparsame Haushaltsführung der Ehegattin zuallererst zugute:





Was waren also damals (und sicher noch weit in die Nachkriegszeit hinein) die Probleme, mit denen sich die Hausfrau herumzuschlagen hatte - und welche Winke bekam sie zur Bewältigung derselben?
Das Inhaltsverzeichnis ist umfangreich, und manches kommt einem auch heute noch bekannt vor (anderes dafür zum Glück nicht mehr):



Gleich als erstes geht es los wie in jeder heutigen Frauenzeitschrift auch: "Beauty" war eben schon immer ein Frauenthema (wer will schon Falten im Gesicht?). Diese naturkosmetische Behandlung ist sicher nicht die schlechteste, und dabei unschlagbar billig:



Vom Waschen wundgeriebene Hände haben wir heute nicht mehr zu befürchten,
aber Sommerhitze kann immer noch - oder jetzt erst recht - eine Plage sein. Die Wassereimer-Klimaanlage ist eine gute Idee. Und dass Kaffeesatz ein hervorragender Geruchsabsorber ist, mache ich mir selbst zunutze: im Kühlschrank nämlich. Vor der glühenden Feuerschaufel wäre mir allerdings ein wenig bange...


Das Frischhalten von Lebensmitteln ist heute kein Problem mehr, auch wenn selbst der beste Kühlschrank es nicht schaffen dürfte, Eier jahrelang frisch zu halten - was vermutlich damals ebensowenig üblich war, im Frühjahr legten die Hühner ja wieder mehr.


Falls jemand von euch Löcher in Glas bohren möchte: bittesehr (aber VORSICHT mit dem Quecksilber!!!) ;) Das mit dem Abschneiden von Flaschenhälsen mittels brennendem Faden kann man aber sogar in einigen youtube-Videos bewundern.


Silberlöffel gegen zuviel Salz, Salzwasser gegen tropfende Kerzen und Eierschalen als Wäschebleiche - nun ja, man müsste es ausprobieren.
Dass Essig gegen graue Haare hilft, dürfte dagegen eher ein frommer Wunsch sein...



...und dass freche Spatzen sich vor einer Hasenpfote fürchten, halte ich auch - wenn schon nicht für Aberglauben, aber doch für sehr unwahrscheinlich. (Genau solche Behauptungen reizen natürlich zum Experiment - aber wo nehme ich eine Hasenpfote her?) :)


Motten lassen sich dagegen möglicherweise schon mit Essigdämpfen verjagen. Wobei allerdings dadurch die Bewohner gleich mit vertrieben werden könnten, ebenso wie durch die Teppichreinigung nach folgendem Rezept:


Benzin wurde überhaupt für alle möglichen Reinigungszwecke empfohlen. Aber auch hier gilt: Bitte gaaanz vorsichtig!!




Wenn ich daran denke, dass uns meine Mutter die Klebereste von Heftpflaster auf der Haut immer mit Waschbenzin abgerubbelt hat... und dass wir bis in die Sechziger auch noch Kohleöfen hatten... Ja, man lebte nicht ungefährlich damals, und auch bei der Behandlung von Kopfläusen hieß es gut aufpassen:



Wohingegen ich mir die Flohbekämpfung als durchaus erheiterndes Schauspiel vorstelle:


Selbst gegen drückende Schuhe half Brennbares (und würde wohl auch heute noch helfen, wenn wir nicht so leicht die Nase rümpfen und Unpassendes wegwerfen  würden). 



Bettdecken konnte man statt mit Federn mit Papier billigst füllen - was, ließe man sich von der Fleißarbeit des Streifenschneidens (und vom zu erwartenden Geraschel des Nachts...) nicht abschrecken, auch heute eine lohnende Weiterverwertung von Altpapier sein könnte.


Und wenn man den guten Käse nicht schnell genug aufgegessen hatte, machte man einfach nützlichen Kitt daraus!


Dass es bei solcher Sparsamkeit hin und wieder auch zu dem einen oder anderen Diamanten reichte (den es dann natürlich auf Echtheit zu prüfen galt), verwundert mich schon fast nicht mehr.



Zu guter letzt wird auch dem Ungeziefer im Keller der Garaus gemacht. Man bereitet ihm einen "bequemen" und sanften Tod mit Betäubung.
Aber warum so viele Umstände, wenn es in der Natur Nützlinge gibt, die kurzen Prozess machen?



Ich räume jetzt auch weiter auf und wünsche euch allen: viel Freude am Haushalt! Lebenslänglich!  ;)

Kommentare:

  1. Wow wie spannend, das mit dem Petroleum ist ja echt krass :) und eine Kröte in den Keller setzen , ich ,musste so lachen. So alte Büchlein sind richtig nett zum durchlesen, wie wunderbar. Grüßle sendet dir Magda

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  2. Durch Zufall bin ich bei Deinem Blog gelandet. Über diesen Beitrag könnte man sich köstlich amüsieren, wenn es damals nicht ernst gemeint wäre. So bin ich entsetzt, welche Tipps die (armen) Hausfrauen befolgen sollten.
    Zum Glück leben wir jetzt in einer besseren Zeit.
    Liebe Grüße von Ingrid, der Pfälzerin

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    1. Nun ja, wir müssen unseren Kindern zum Glück nicht mehr (in sicherer Entfernung vom Ofen) Petroleum in die verlausten Haare schmieren und haben es auch sonst in vielem einfacher - aber was wir mit unseren Putz-, Kosmetik- und sonstigen Mitteln alles ins Grundwasser spülen, ist auch nicht ohne... Ganz zu schweigen von Massentierhaltung und Plastikmüll.
      Schön, dass du hier hereingeschaut hast, danke fürs Kommentieren und herzliche Grüße!

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